50 Jahre Entdeckung der DNA Von Darwin zu Dolly - eine Chronik


Die Erkenntnis der natürlichen Selektion durch Charles Darwin und die Entdeckungen Gregor Mendels waren die ersten Meilensteine in der Geschichte der Genetik.

1859 - Der britische Naturforscher Charles Darwin begründet mit seinem Buch „On the Origin of Species“ („Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl“) die moderne Evolutionstheorie. Diese sieht in der natürlichen Auslese (Selektion, Auswahl der für die betreffenden Umweltbedingungen am besten geeigneten Lebewesen) die Hauptursache für die stammesgeschichtliche Entwicklung.

1865 - Der deutsche Augustinerprior und Lehrer Gregor Mendel entdeckt bei Kreuzungsversuchen an Erbsen und Bohnen die Mendel’schen Gesetze - drei Grundregeln, die die Weitergabe von Erbanlagen beschreiben. Seine Forschungen geraten bis zur Jahrhundertwende zunächst in Vergessenheit.

1871 - Der Schweizer Chemiker Friedrich Miescher isoliert aus den Kernen weißer Blutkörperchen eine Substanz, die er auch in den Kernen anderer Zellen findet, und bezeichnet sie als Nuklein (heute Desoxyribonukleinsäure - DNA).

1882 - Der deutsche Zytologe Walther Flemming erkennt in Kiel das erste Mal Chromosomen unter dem Mikroskop und beobachtet sie bei der Zellteilung. Diesen Vorgang nennt er Mitose.

1900 - Der niederländische Genetiker und Botaniker Hugo de Vries entdeckt gleichzeitig mit dem deutschen Botaniker Carl E. Correns und dem österreichischen Botaniker Erich Tschermak die Mendel’schen Vererbungsgesetze wieder.

1909 - Der dänische Genetiker Wilhelm Johannsen prägt den Begriff „Gen“ für die vererbaren Elemente.

1910 - Nach Experimenten mit Fruchtfliegen entdeckt der US-Genetiker Thomas Hunt Morgan die geschlechtsgebundene Vererbung und den Faktorenaustausch („Crossing-over“). Dafür erhält er 1933 den Nobelpreis für Medizin.

1940 bis 1941 - Die US-Biochemiker Edward Tatum und George Beagle entwickeln aus Experimenten mit Pilzstämmen die Theorie, dass bestimmte Vorgänge beim Aufbau der Zelle durch Gene reguliert werden. Die Forscher erhalten 1958 zusammen mit dem Amerikaner Joshua Lederberg den Nobelpreis.

1944 - Oswald T. Avery, Colin MacLeod und Mac-Lyn McCarty entdecken bei Forschungen in New York, dass nicht Eiweiße in den Chromosomen, sondern die Desoxyribonucleinsäure (DNA) als Trägerin der genetischen Information verantwortlich ist.

1947 - Rosalind Franklin erforscht mit Hilfe der Röntgenkristallographie die Strukturen von Stoffen. Ab 1951 beginnt sie mit den Röntgenaufnahmen der DNA.

1953 - Der US-Biophysiker James D. Watson stellt zusammen mit Francis Crick (mit Hilfe der Röntgenkristallographie von Rosalind Franklin und Maurice H.F.Wilkins) das räumliche DNA-Doppelhelix-Modell auf. Damit ist die Struktur des Erbmaterials geklärt. Crick und Watson erhalten 1962 zusammen mit Wilkins den Nobelpreis für Medizin.

1956 - Hin Tjio und Albert Levan ermitteln in Schweden die genaue Anzahl der Chromosomen der menschlichen Körperzelle, 46. Bis dahin ging man von 22 Chromosomenpaaren aus.

1957 - Die amerikanische Botanikerin Barbara McClintock entdeckt die beweglichen Strukturen in der Erbmasse. Erst 1983 erhält sie dafür den Nobelpreis.

1965 - Marshall Nierenberg und Kollegen knacken den vollständigen genetischen Code. Die Abfolge von jeweils drei Bausteinen auf der DNA legt eine Aminosäure beim Aufbau eines Proteins fest.

1970 - Der Schweizer Mikrobiologe Werner Arber entdeckt die Restriktions-Endonucleasen, bisher nur in Mikroorganismen nachgewiesene DNA-spaltende Enzyme, die die DNA-Sequenz nur an ganz bestimmten Stellen spalten. Die Spaltung erfolgt versetzt, so dass Einzelstrang-Enden entstehen, unterschiedlich große, exakt definierte DNS-Stücke (1978 Nobelpreis zusammen mit D. Nathans und H.O. Smith).

1972 - US-Biochemiker Paul Berg gelingt die Herstellung rekombinanter DNA: zusammengefügte DNA-Stücke verschiedener Organismen. Er erhält 1980 den Nobelpreis für Chemie 1980 (mit W. Gilbert und F.Sanger).

1973 - Die amerikanischen Wissenschaftler Herbert Boyer und Stanley Cohen schleusen erstmals fremde DNA in ein Bakterium ein.

1975 - Auf der Asilomar-Konferenz bei Monterey im US-Staat Kalifornien diskutieren 140 Wissenschaftler aus 16 Nationen über mögliche Gefahren und Sicherheitsregelungen der Gentechnologie. Sie erarbeiten Sicherheitsstandards, die als Vorbild für spätere, europäische Regelungen und das deutsche Gentechnikgesetz dienen.

1985 - Der Molekularbiologe Kary B. Mullis entdeckt mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) die Möglichkeit der schnellen und automatisierten Vervielfältigung von DNA-Abschnitten im Reagenzglas. (1993 Nobelpreis für Chemie, zusammen mit dem kanadischen Biochemiker Michael Smith).

1990 - Start des internationalen Human Genome Projekts. Über 1.000 Wissenschaftler in 40 Ländern arbeiten an der kompletten Entschlüsselung der genetischen Information des Menschen.

1992 - Für das Chromosom 21 und das Y-Chromosom des Menschen werden erstmals von französischen und amerikanischen Wissenschaftlern komplette genetische Karten erarbeitet.

1995 - Deutschland beteiligt sich am internationalen Human Genome Project. Schwerpunkte liegen vor allem auf der funktionellen Genomforschung.

1995 - Forschergruppen aus den USA und Frankreich legen eine detaillierte physikalische Karte des gesamten menschlichen Genoms mit 15.000 unverwechselbaren Markierungen vor.

1997 - Die Geburt des schottischen Klonschafs „Dolly“ heizt eine breite öffentliche Debatte über das Für und Wider der Gentechnik an. „Dolly“ ist weltweit das erste Säugetier, das durch das Klonen eines erwachsenen Tieres entstand.

1999 - Erstmals liegt die Sequenz eines gesamten Chromosoms des Menschen vor: Wissenschaftler aus Großbritannien, Japan und den USA sequenzieren gemeinsam das Chromosom 22.

2000 - Deutsche und japanische Forscher entschlüsseln die Abfolge der Bausteine des menschlichen Chromosoms 21 vollständig.

2001 - Das Human Genome Project und die Firma Celera Genomics geben bekannt, dass sie das menschliche Genom zu 99 Prozent identifiziert haben.

2002 - Wissenschaftler dürfen künftig embryonale Stammzellen unter strengen Auflagen nach Deutschland importieren und auf der Suche nach Heilung für schwere Krankheiten erforschen.

2003 - Klonschaf „Dolly“ ist tot.

2003 - Der Bundestag spricht sich für ein internationales Verbot des therapeutischen und reproduktiven Klonens aus und setzt eine Kommission zu Ethik und Recht der modernen Medizin ein.


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