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Antarktis-Expedition: Eine eisige Reise

An Bord des Eisbrechers "Polarstern" versuchen Forscher zu ergründen, wie sich der Klimawandel auf das Eis der Antarktis auswirkt. Eine Arbeit unter extremen Bedingungen - denn im Ewigen Eis naht der Winter.

Von Jonas Ziegler, Antarktis

Sie untersuchen Meeresschlamm aus tausenden Metern Tiefe, um vergangene Wärme- und Kältephasen in der Antarktis zu rekonstruieren. Sie überprüfen die kosmische Strahlung von Gestein, um herauszufinden, wann sich das Eis zurückgezogen hat. Sie suchen "Hot Rocks" - Vulkangestein -, um zu begreifen, wie sich der Urkontinent Gondwana zerteilt hat und sich die Kontinentalplatten in ihre heutige Lage verschoben haben.

50 Forscherinnen und Forscher aus acht verschiedenen Nationen sind mit dem Eisbrecher "Polarstern" in der Prydz Bucht in der östlichen Antarktis unterwegs. Sie wollen die Klimageschichte der Antarktis rekonstruieren, um zu verstehen, wie sich Klimawandel das Eis der Antarktis auswirkt.

Riesiger Wasserspeicher

Die Expedition des Alfred-Wegener-Instituts ist das erste und wohl größte Projekt im Rahmen des "internationalen Polarjahrs", das am 1. März begonnen hat. Insgesamt treiben mehr als 50.000 Wissenschaftler aus 63 Nationen beim "internationalen Polarjahr" die Erforschung der Polarregionen voran. Rund 70 Prozent der Süßwasservorkommen der Erde sind im Eis der Antarktis gespeichert. Ein Tauen dieser Massen hätte Konsequenzen auf alle Teile der Welt.

Gefahr "White out"

Die "Polarstern" war spät in der Saison in die Antarktis aufgebrochen: Am 2. Februar hatte das Schiff im chilenischen Punta Arenas abgelegt. Nun bekommen die Forscher die Anfänge des Winter zu spüren: Die Lufttemperatur steigt selbst tagsüber kaum über minus 15 Grad. An Land sind die Foscher in einfachen Zelten untergebracht. Das Leben unter freiem Himmel hat jedoch seine ganz eigenen Reize: In klaren Nächten können sie Polarlichter über den Himmel zucken sehen.

Besonders gefährlich wird es, wenn so genannte "White out" herrschen: Durch Schnee und Nebel reflektiert das Licht mehrfach, so dass sich jegliche Kontraste aufheben. Gäbe es keine Schwerkraft, wüsste man nicht mal, wo oben und unten ist.

Allein in der Polarnacht

Bei der "Neumayer 2", der Antarktis-Forschungsstation des Alfred-Wegener-Instituts, legte die "Polarstern" einen Zwischenstopp ein. Vor dem Winter erhielten die Forscherinnen und Forscher der Station ein letztes Mal neue Nahrung und Treibstoff. Von nun an sind sie in der Polarnacht auf sich allein gestellt.

Für die Besatzung der "Polarstern" hingegen endet die Expedition am 11. April: Dann läuft das Schiff in Kapstadt ein. Zurück in den Instituten müssen die Forscher die gewonnen Proben untersuchen, verarbeiten und interpretieren.

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