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Bali: Was wir von der Klimakonferenz erwarten können

Vom 3. bis 14. Dezember treffen sich mehr als 10.000 Delegierte bei der Klimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali. Worüber sie beraten, was die Streitpunkte sind und auch welches Ergebnis man hoffen kann.

Der erste Umweltgipfel fand im Jahr 1992 in Rio de Janeiro statt. Seitdem gibt es regelmäßige Klimakonferenzen, auf denen über den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel diskutiert wird - und über Möglichkeiten, die Erderwärmung zu stoppen.

Was wird konkret verhandelt?

Das Ziel klingt erst einmal relativ einfach: Im Jahr 2012 läuft das Kyoto-Klimaschutz-Protokoll aus, deshalb soll bis 2009 ein Anschlussvertrag verhandelt werden.

Auf Bali beginnen allerdings noch nicht die konkreten Verhandlungen, es sollen vielmehr die Weichen für die Verhandlungen bei der Klimakonferenz in Kopenhagen im Jahr 2009 gestellt werden. Die Umweltminister der Staaten werden an der Endphase der Konferenz teilnehmen. Dann wird auch Sigmar Gabriel (SPD) nach Bali reisen.

Welche Vorgaben stehen im Kyoto-Protokoll?

Das Kytoto-Protokoll legt fest, dass Industriestaaten ihren Ausstoß an Treibhausgasen reduzieren sollen: Und zwar in den Jahren 2008 bis 2012 im Vergleich zu 1990 um 5,2 Prozent. Das Abkommen wurde 1997 beschlossen und ist seit 2005 in Kraft. Die im Kyoto-Protokoll genannten Treibhausgase sind: Kohlendioxid, Methan, Lachgas, perfluorierte Kohlenwasserstoffe, halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe sowie Schwefelhexalfluorid.

Das Problem: Die größen Kohlenstoffdioxid-Produzenten - die USA und China - haben das Abkommen nicht unterzeichnet.

Warum sind die Verhandlungen so schwierig?

Die USA lehnen bislang feste Grenzwerte zur Treibhausgas-Emission ab, deshalb haben sie auch das Kyoto-Abkommen nicht unterzeichnet. Harlan Watson, Chef der US-Delegation, sagte am ersten Konferenztag in Bali: "Wir sind nicht gekommen, um zu blockieren. Die USA haben die Absicht, flexibel und konstruktiv an einem Bali-Fahrplan mitzuarbeiten." - Ob das tatsächlich der Fall ist, wird sich zeigen.

Auch die großen Schwellenländer China und Indien, deren Treibhausemissionen drastisch gestiegen sind, sind nur bedingt verhandlungsbereit.

Was passiert beim Emissionshandel?

Die Grundidee: Ein Staat, der weniger Kohlendioxid emittiert, kann sein "Kohlenstoff-Guthaben" an andere Staaten verkaufen. Dadurch würde Geld aus den Industrienationen in die Entwicklungslänger fließen.

Ein weiterer Vorteil: Industrie und Energieunternehmen, die den Klimawandel mitverursachen, würden so auch an den Kosten beteiligt. Der Emissionshandel würde wahrscheinlich dazu führen, dass Energie und diverse Produkte bei uns teurer werden.

Welche Position vertritt die EU?

Die Europäische Kommission gab als Ziel an, schon auf Bali ein konkretes Reduktionsziel für die klimaschädigenden Treibhausgase festzusetzen. Denkbar ist demnach das Ziel, die Emissionen bis 2050 um 50 Prozent zu senken, sagte der Leiter des Klimawandel- Referats in der Kommission, Arthur Runge-Metzger. Manche Entwicklungsländer fürchten allerdings, dass dies ihr Wachstum beeinträchtigen könne. "Es ist klar, dass die Entwicklungsländer ein Recht auf Wachstum haben", sagte Runge-Metzger. Die damit verbundene Wachstumskurve bei den Emissionen sollte aber möglichst niedrig gehalten werden.

Reichen die bisherigen Bemühungen aus?

Viele Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass eine Senkung der Treibhausgasemissionen um 5,2 Prozent - wie sie im Kyoto-Protokoll festgehalten ist - nicht ausreicht. Sie peilen eine Reduktion um 50 Prozent im Vergleich zu 1990 bis zum Jahr 2050 an.

Was steht im Klimabericht?

Im Klimabericht hat der Weltklimarat die zentralen Erkenntnisse zur Erderwärmung zusammengefasst. Der Bericht bildet die Grundlage für die Konferenz. Die wichtigsten Punkte:

Seit 1970 hat der vom Menschen erzeugte Ausstoß von Treibhausgasen um 70 Prozent zugenommen. Die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) übersteigt die in den vergangenen 650.000 Jahren natürliche Menge bei weitem.

Die weltweite Durchschnittstemperatur wird in diesem Jahrhundert voraussichtlich um 1,1 bis 6,4 Grad Celsius steigen.

Wenn der Temperaturanstieg mehr als 1,5 bis 2,5 Grad Celsius beträgt, sind 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht.

Die Meersspiegel steigen in diesem Jahrhundert voraussichtlich zwischen 18 und 59 Zentimeter.

Das Risiko extremer Wetterereignisse nimmt zu: Es wird mehr Überflutungen, Dürreperioden und Hitzewellen geben.

Die Folgen des Klimawandels sind ungleich verteilt: Arme und alte Menschen leiden am stärksten darunter -ebenso die Länder am Äquator, die in Afrika ohnehin zu den ärmsten Staaten gehören. Am stärksten betroffen sind Afrika, die Arktis, kleine Inseln und die Riesen-Flussdeltas an den asiatischen Küsten.

Wenn der Temperaturanstieg auf 2,0 bis 2,4 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Zeiten beschränkt werden soll, muss der Gesamtausstoß von Treibhausgasen ab 2015 sinken.

Die Kosten für den Kampf gegen den Klimawandel belaufen sich selbst bei den ehrgeizigsten Szenarien auf weniger als 0,12 Prozent des jährlichen weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP). Im teuersten Fall würden bis 2030 weniger als drei Prozent des BIP aufgewendet.

DAP/AP/Reuters / AP / Reuters