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Düstere Prognose: Arktisches Eis auf drittniedrigstem Stand

Die Eisschmelze am Nordpol geht weiter: Wissenschaftlern zufolge, ist die arktische Eisfläche auf den drittniedrigsten Stand seit Beginn der Satellitenmessungen abgeschmolzen. Dieser Trend setze sich auch in den kommenden Jahren fort.

Das Eis am Nordpol ist auch in diesem Sommer wieder deutlich stärker geschmolzen als normal. Am 12. September sei via Satellit die kleinste Eisfläche dieses Jahres im Nordpolarmeer gemessen worden - nur noch 5,1 Millionen Quadratkilometer, berichtet das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI). Damit bestätige sich die Entwicklung der vergangenen drei Jahre, dass die sommerliche Eisausdehnung unter dem langjährigen Mittel von knapp sieben Millionen Quadratkilometern bleibt.

Keine Erholung in Sicht

Bei ihren Berechnungen nutzten die Wissenschaftler unterschiedliche Ansätze. "Grundlage unserer Prognose sind Eisbedeckungsgrad und Eisdicke am Ende des Winters, sowie die Wetterbedingungen während der Schmelzperiode", sagt AWI-Meereisphysiker Rüdiger Gerdes.

In diesem Jahr hätten die Sommertemperaturen in der Arktis etwas niedriger gelegen als in den beiden Vorjahren, meldet das US-Schnee- und Eis-Datenzentrum (NSIDC) in Boulder im US-Bundesstaat Colorado. Dies sei jedoch keineswegs eine Erholung. "Der Anteil mehrjährigen dicken Eises ist inzwischen so weit zurückgegangen, dass die sommerliche arktische Meereisbedeckung sehr viel empfindlicher auf atmosphärische Anomalien reagiert als noch vor zehn oder 20 Jahren", sagt Gerdes.

Das Minimum dieses Jahres liege immer noch fast ein Viertel unterhalb des Mittelwerts der Jahre 1979 bis 2000 und auch noch ein Fünftel unterhalb des 30-Jahre-Mittels von 1979 bis 2008. "Die Satellitenmessungen dieses Jahres bestätigen erneut, dass sich der langfristige Trend offenbar beschleunigt fortsetzt", sagt der Hamburger Wissenschaftler Lars Kaleschke.

Nordostpassage durchquert

Dem NSIDC zufolge ist die diesjährige arktische Eisfläche die drittkleinste seit Beginn der Satellitenmessungen im Jahr 1979. Nur in den vergangenen beiden Sommern besaß die Arktis noch weniger Eis. Den Negativrekord verzeichneten die Forscher 2007 mit nur noch 4,1 Millionen Quadratkilometern Eis rund um den Nordpol.

Dank der starken Eisschmelze in der Arktis hatte in dieser Woche erstmals ein deutsches Handelsschiff die sogenannte Nordostpassage vor der Küste Sibiriens durchquert. Die "Beluga Fraternity", die Teile für einen Kraftwerksneubau im sibirischen Surgut geladen hatte, sparte so 5400 Kilometer Reiseroute im Vergleich zur traditionellen Strecke durch den Suezkanal.

DPA/CK / DPA