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Nordostpassage vor Sibirien: Klimawandel macht Durchfahrt möglich

Erstmalig haben Schiffe die Nordostpassage vor der Küste Sibiriens durchquert: Ohne Zwischenfälle passierten Bremer Frachter die Verbindung zwischen Asien und Europa, die 5400 Kilometer kürzer ist als die Strecke durch den Suezkanal.

Was über Jahrhunderte undenkbar war, haben zwei deutsche Handelsschiffe zum ersten Mal geschafft: Die "Beluga Fraternity" und die "Beluga Foresight" haben die sogenannte Nordostpassage vor der Küste Sibiriens erfolgreich befahren, so eine Sprecherin der Bremer Reederei "Beluga Shipping". Die Direktverbindung zwischen Asien und Europa ist gut 5400 Kilometer kürzer als die traditionelle Strecke durch den Suezkanal. Mittlerweile können im Sommer Schiffe in der Eismeer-Region fahren - möglich wurde die erfolgreiche Fahrt also durch den Klimawandel.

"Mit dem Abschluss der Nordostpassage und zuvor der sicheren Ablieferung der Ladung in einem eher entlegenen Gebiet Sibiriens haben wir das Tor geöffnet für einen Seeweg, der in der Zukunft gewiss weiter an Bedeutung gewinnen wird", sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Reederei, Niels Stolberg. Der Zwischenstopp erfolgte in Novyy Port.

Begleitet von russischen Eisbrechern

Sicherheitshalber hatten russische Eisbrecher die deutschen Frachter begleitet. Das sei allerdings nur vorsichtshalber geschehen - benötigt worden seien sie nicht, sagte die Reederei-Sprecherin. Die beiden Schiffe transportierten Teile für einen Kraftwerksneubau im sibirischen Surgut. Die weitere Reise führt nun nach Nigeria.

Die "Beluga Fraternity" und die "Beluga Foresight" werden von russischen Kapitänen geführt. Sie und ihre jeweils 14 Mann Besatzung mussten vor Antritt der Premierenfahrt knapp vier Wochen in Wladiwostok auf die Transit-Genehmigung und die Erledigung von Zoll- Formalitäten warten. In dieser Zeit überprüften russische Behörden Schiffe, Mannschaften und Ladung. Auch im nächsten Jahr will die Bremer Reederei das relativ eisfreie Zeitfenster von sechs bis acht Wochen für Passagen nutzen. Bis zu sechs Schiffe wolle die Reederei künftig auf der Nordostpassage einsetzen, hieß es.

Vorherige Versuche waren gescheitert

Versuche, die Nordostpassage - wie jetzt - zwischen den Häfen Wladiwostok und Murmansk mit Frachtschiffen in einer Saison zu bewältigen, wurden in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach unternommen. Sie waren jedoch nach Angaben der Beluga-Reederei ausnahmslos gescheitert. Am weitesten kam der schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld. Mit dem 300-Tonnen-Dampfschiff "Vega" startete er 1878 im norwegischen Tromsö. 120 Kilometer vor dem Ziel blockierte Eis die Weiterfahrt. Erst nach einer Überwinterung erreichte Nordenskiöld 1879 den Pazifik. Erfolgreich war lediglich ein deutsches Kriegsschiff. Der Hilfskreuzer "Komet" schaffte die Passage mit Unterstützung sowjetischer Eisbrecher im Sommer 1940.

DPA / DPA