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Evolution: Säugetiere ließen sich Zeit

Vor 65 Millionen Jahren löschte ein Meteorit die damaligen Herren der Erde, die Dinosaurier aus. Unmittelbar danach traten dann die Säugetiere, und letztlich wir Menschen, ihren Siegeszug an. So die Theorie. So war es aber nicht, sagen deutsche Forscher.

Die heute lebenden Säugetiere haben sich erst 10 bis 15 Millionen Jahre nach dem Aussterben der Dinosaurier auf der Erde ausgebreitet, hat ein internationales Forscherteam beim Zusammenfassen der Daten von 2500 evolutionsgeschichtlichen Stammbäumen herausgefunden. Olaf Bininda-Emonds von der Technischen Universität München und seine Kollegen widerlegen damit eine verbreitete Annahme, wonach sich die höheren Säugetiere als unmittelbare Folge des Massensterbens der Dinosaurier verbreiten und neue Arten bilden konnten. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Nature" (Bd. 446, S. 507).

Viele Säugetierarten entstanden lange nach den Dinosauriern

Bininda-Emonds und seine Kollegen trugen in mehr als zehnjähriger Arbeit die vorhandenen entwicklungsgeschichtlichen Stammbäume der Säugetiere zusammen und glichen diese zeitlich mit Fossilienfunden ab. Dabei griffen die Forscher auf molekulare Untersuchungen der Erbsubstanz heute lebender Tierarten zurück, aus denen sich abschätzen lässt, vor wie langer Zeit bestimmte Tierarten entstanden sind. Der entstandene "Superstammbaum" umfasst 99 Prozent aller 4500 heute lebenden Säugetierarten. Wie daraus hervorgeht, entstanden die wenigsten dieser Arten gleichzeitig und direkt, nachdem die Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren ausgestorben waren. Vielmehr entwickelten sie sich über eine längere Zeitspanne - rund 10 bis 15 Millionen Jahre später. In dieser Zeit erwärmte sich die Erde merklich, was den Angaben nach die Artentstehung begünstigt haben könnte.

Vorfahren der heutigen Säugetiere lebten bereits in der Kreidezeit und waren damit Zeitgenossen der Dinosaurier. Wahrscheinlich machten ihnen die Echsen den Lebensraum streitig und sie konnten sich erst nach deren Aussterben ausbreiten. Direkt nach dem Massensterben der Dinosaurier, das einer Hypothese zufolge auf einen Meteoriteneinschlag zurückzuführen ist, vermehrten sich zwar einige Säugetierfamilien. Diese sind aber heute entweder ausgestorben wie etwa Andrewsarchus, ein fleischfressendes Urhuftier, oder ihre Artenvielfalt ist heute im Vergleich zu damals eingeschränkt, wie beispielsweise bei den Faul- oder Gürteltieren.

DDP/DDP
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