Fischplage Schlüpfrige Invasion aus China


Mit einer Fischsuppe fing es an. Heute bevölkern tausende der unheimlichen Schlangenkopffische den Potomac River. Das ökologische Gleichgewicht droht zu kippen, Behörden und Umweltschützer sind hilflos.

Die gefürchteten Fremdlinge aus China haben gewonnen. Trotz teurer Giftaktionen, trotz Steckbriefen und Massentötungen. "Wir könnten Millionen töten und es hätte keinen Sinn. Wir versuchen es nicht einmal mehr", sagte John Odenkirk der "Washington Post". Odenkirk ist Biologe und arbeitet bei der Fischerei-Behörde des Bundesstaates Virginia. Und wer sind die gefürchteten Fremdlinge? Schlangenkopffische - bis zu einem Meter lange "Snakeheads", die sich in Teichen und kleinen Seen im Großraum Washington seit 2002 seuchenhaft ausbreiten.

Seit wenigen Wochen ist den US-Behörden klar, dass sich inzwischen schon Tausende Schlangenkopffische im Fluss Potomac und seinen Nebengewässern tummeln. "Das ist ziemlich dramatisch", sagte Fischereiexperte Matt Fisher im "Baltimore Sun". Im vergangenen Jahr zahlte ein Angel-Fachgeschäft in Hanover (Maryland) noch demonstrativ 50 Dollar (41 Euro) für jeden Schlangenkopffisch. Das ist vorbei: Schließlich kann man die schlüpfrigen Viecher inzwischen massenhaft in Netzen fangen.

Sie können tagelang an Land überleben

Wegen ihrer angeblich gruseligen Eigenschaften werden die Snakeheads auch Frankenfische genannt - frei nach dem Romanhelden Dr. Frankenstein, der ein Monster schuf. Allerdings sind sie längst nicht so gefährlich, wie Science-Fiction-Filme und Horrorgeschichten glauben machen wollen. Zwar besitzen sie kurze, scharfe Zähne, können sich tagelang außerhalb des Wassers an Land überleben und sich mit mächtigen Luftsprüngen fortbewegen. Aber ihre angebliche Lust, einfach nach allem zu schnappen, was sich bewegt, oder gar Haustiere und Kinder anzugreifen, verweisen Biologen ins Reich der Legenden.

Dennoch fürchten Behörden, Umweltschützer und Fischer den Eindringling. Denn die gefräßigen Fische, die sich von Kleinstfischen ernähren, machen nicht nur den im Potomac weit verbreiteten Forellen- und Felsenbarschen die Nahrung streitig. Sie könnten mangels natürlicher Feinde das ökologische Gleichgewicht des Flusses gefährden. "Manche spielen das Ganze runter, aber ich fürchte diese Wasser-Eindringlinge", sagt der Berufsangler Steve Chaconas. Eine sehr große Snakehead-Population würde "zahlreiche andere Fischarten bedrohen", hatte Steve Minkkinen von der Maryland-Fischerei-Behörde schon früher gewarnt.

Von der Fischsuppe zur Gewässerplage

Wie die Fische nach Washington gelangten, ist inzwischen bekannt: Ein Mann hatte sie vor einigen Jahren in einem New Yorker Tiergeschäft gekauft, um aus ihnen eine chinesische Fischsuppe zu machen. Allerdings setzte er sie dann einfach aus.

Für US-Angler oder gar Berufsfischer ist der Schlangenkopffisch kaum attraktiv. Nur wenige chinesische Restaurants verwenden ihn - vor allem für Suppen. Amerikaner haben an seinem Geschmack noch keinen Gefallen gefunden. "Schmeckt wie Schweinekoteletts", schwärmte nun Odenkirk vor Reportern und bot selbstgebrutzelte Snakehead-Filetstücke an. Dem Bericht der "Baltimore Sun" zufolge aß aber nur der Biologe selbst die fremdartig anmutenden Delikatessen.

Laszlo Trankovits/DPA DPA

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