FORSCHUNG Nasenspray sprüht Infektionen weg


Forscher der Rockefeller Uni haben ein Enzym entdeckt, das große Fortschritte bei der Bekämpfung von Infektionen erzielen könnte. Die ideale Wirkung wird in Ergänzung mit Antibiotika erzeugt.

Wissenschaftler der Rockefeller University haben ein Enzym entdeckt, das ein natürliches Gift gegen Infektionen sein könnte. Die Forscher können sich eine Anwendung als Nasenspray durchaus vorstellen, wie sie im Wissenschaftsmagazin Science erklären. Das Enzym stammt von Bakteriophagen, also Viren, die eine pathogene Wirkung auf Bakterien besitzen. Das Team um Vincent Fischetti vermutet, dass das Enzym in Kombination mit Antibiotika eine bestehende Behandlung verbessern könnte.

Infektionen könnten vor Ausbruch gestoppt werden

Die ersten klinischen Versuche mit einem Rachenspray zur Prävention von Streptokokken der Gruppe A sind bereits in Vorbereitung. Diese Streptokokkenart verursacht Erkrankungen wie Angina oder Scharlach. Die Forscher rechnen ferner damit, mittels des Enzyms eine Behandlung für bestimmte Bakterien maßschneidern zu können, so zum Beispiel mit einem Nasenspray. »Ein mit diesen Enzymen ausgestatteter Nasenspray könnte Infektionen schon vor dem Auftreten stoppen«, gibt sich Fischetti optimistisch. Es müsste auf den Ausbruch einer Infektion nicht mehr gewartet werden, um diese zu behandeln.

Alternative zu Penicillin

Tests mit Mäusen haben gezeigt, dass die Enzyme eine Streptokokken-Pneumonie verhinderten. Auch gegen Penicillin-resistente Stämme von Bakterien, eine häufige Ursache für Infektionen, erwies sich das Enzym als erfolgreich. »Antibiotika-Resistenzen steigen drastisch an«, betonte Fischetti. Die Enzyme stellten eine alternative Methode im Kampf gegen resistente Pathogene, also krankheitsverursachende Mikroorganismen, dar. Möglich ist dies laut Forschern, da die Enzyme auf die Außenseite der Bakterien zerstörend wirken. So könnten mit nur wenigen Tropfen des Enzyms Millionen Bakterien abgetötet werden. »Die Enzyme vernichten Pneumokokken auf der Schleimhaut in nur wenigen Sekunden«.

Ein zusätzlicher Vorteil des Enzyms sei, dass sich eine Resistenz nicht so einfach nach einer Enzym-Behandlung wieder entwickeln würde. Eine Erklärung dafür sei, dass sich Phagen und Bakterien gemeinsam über Millionen Jahren entwickelt hätten. Unwahrscheinlich sei auch, dass Enzyme von Phagen Nebenwirkungen verursachen, da sie gegen bestimmte Bakterien angewendet werden.

Antibiotika im Gegensatz töten verschiedene Bakterienarten ab und verursachen daher meist intestinale Probleme. Außerdem attackieren Antibiotika Bakterien im Inneren einer Zelle, während Phagen-Enzyme nur jene krankheitsverursachenden Bakterien zerstören, die sich an der Oberfläche der Zelle befinden. Dennoch, so die Forscher, stellten beide zusammen eine wirksame Waffe dar.


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