Forschung Resistenter "Super-Kaffee" angestrebt


Brasilianische Wissenschaftler haben erstmals das Erbgut des Kaffees entziffert. Mit Hilfe dieser Erkenntnisse soll die Kaffee-Pflanze produktiver und resistenter gemacht werden. Auch neue Geschmacksrichtungen sind möglich.

Brasilianische Wissenschaftler haben das Erbgut des Kaffees entziffert. Eine Datenbank mit rund 200.000 DNA- Abschnitten soll neue Erkenntnisse und verbesserte Varianten des Kaffeestrauchs Coffea arabica bringen und so die Stellung des größten Kaffeeproduzenten der Welt festigen, wie ein Sprecher des Brasilianischen Verbandes zur Kaffeeforschung und -entwicklung (CBPDC) berichtete. Brasilien sei mit diesem Erfolg im Rennen um produktivere Kaffeesorten deutlich in Führung gegangen. Staatspräsident Luiz Inàcio Luloa da Silva will die Entzifferung des Kaffee-Erbguts in den nächsten Wochen feierlich in Brasilia bekannt geben.

Produktiver und resistenter

Die Forscher wollen die Pflanze nach eigenen Angaben produktiver und resistenter gegen Schädlinge machen und streben unter anderem ein nahrhafteres Getränk mit verschiedenen Geschmacksrichtungen an. Entziffert wurde das Kaffee-Erbgut von der Forschungsstiftung Fapesp im Bundesland Sao Paulo gemeinsam mit dem staatlichen Agrarforschungsunternehmen Embrapa und mit finanzieller Unterstützung des CBPDC.

"Das ist schon fast Routinearbeit", betonte der wissenschaftliche Leiter von Fapesp, José Fernando Pérez. Wichtig sei, dass für die Landwirtschaft bedeutende Pflanzenarten sequenziert würden. "Wir haben das bereits mit Zuckerrohr und Eukalyptus gemacht und nun war der Kaffee dran."

Die Kaffeeforschungsarbeiten kosteten den Angaben zufolge bislang knapp sechs Millionen Real, rund zwei Millionen Euro. Experten schätzen, dass der finanzielle Nutzen weit höher liegen wird. Durch gezielte genetische Veränderungen der Kaffeepflanzen auf Basis der neuen Erkenntnisse lasse sich dank Produktivitätsgewinn und niedrigerer Ausgaben für Schädlingsbekämpfungsmittel mindestens eine Milliarde Real im Jahr einsparen.

Schwierigste Arbeit steht noch bevor

Nach der Entzifferung des Kaffeegenoms kommt auf die brasilianischen Wissenschaftler laut Pérez nun allerdings die schwierigste Arbeit zu. Die Gene müssen zunächst identifiziert und dann mit denen anderer Organismen verglichen werden, um schließlich ihre Funktion herauszufinden. Diese Arbeit könne viele Jahre dauern.

Brasilien hat einen Anteil von rund einem Drittel am weltweiten Kaffeeanbau. Die Bohne ist für zwei Prozent der Exporte und sieben Millionen Arbeitsplätzen in dem südamerikanischen Land verantwortlich. Die untersuchte Sorte Coffea arabica macht 80 Prozent der brasilianischen Produktion aus.


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