HOME

Gelbohrsittich: Kirchenfest beschleunigt Artensterben

Der Gelbohrsittich ist in Kolumbien vom Aussterben bedroht. Kirche und Naturschützer machen mobil - denn das Problem gäbe es nicht, wären die Kolumbianer weniger religiös.

Kirche und Naturschützer in Kolumbien haben zum Palmsonntag eine gemeinsame Initiative für den Gelbohrsittich gestartet. Diese Papageien-Art ist akut vom Aussterben bedroht, weil ihr Lebensraum, die Wachspalmenhaine an den Hängen der Anden, immer kleiner wird. Eine der Ursachen ist das Abschneiden von Palmwedeln für katholische Prozessionen zum Palmsonntag.

Schutz der Palmen durch Weihwasser

Jetzt will die Kirche in Kolumbien die Wachspalmen schonen. Pater Alirio Lopez segnete im Simon-Bolivar-Park der Hauptstadt Bogota Hunderte von Sämlingen der Alexandra-Palme, die gezielt als Alternative für das Schneiden der Palmwedel angepflanzt wird. Hunderte von Naturfreunden beteiligten sich an der Aktion. "Lieber Gott, der du die Erde, das Wasser, die Pflanzen und die Tiere geschaffen hast, segne diese Alexandra-Palmen", sagte der Pater und besprengte einige der 15 Zentimeter hohen Sämlinge mit Weihwasser.

"Gott vergibt immer, der Mensch manchmal, die Natur nie", sagt der Generalsekretär der kolumbianischen Bischofskonferenz, Monsignor Fabian Marulanda. "Für jeden Missbrauch der Natur muss man früher oder später bezahlen."

Weltweit nur noch 540 Gelbohrsittiche

Eine der Organisatoren der Kampagne, Luz Mery Cortes von der Organisation Conservation International, glaubt nicht, dass das Beschneiden der Wachspalme mit einem Schlag zu Ende sein wird - auch wenn die 1985 zum kolumbianischen Nationalbaum erklärte Pflanze unter Naturschutz steht. "Wir können nicht erwarten, dass sich eine derart feste Tradition über Nacht ändert", sagt Cortes. "Aber wenn wir nicht irgendetwas unternehmen, werden die Wachspalme und der Gelbohrsittich von diesem Planeten verschwinden." Von dem grünen Papagei mit dem charakteristischen gelben Fleck unter dem dunklen Augen, wissenschaftlich als Ognorhynchus icterotis bezeichnet, gibt es weltweit nur noch 540 Exemplare.

Fast 20 Jahre schien die Art ausgestorben

Der gelb-grün leuchtende Gelbohrsittich ist ein Spezialist im Überleben in der rauhen Gebirgslandschaft der Nordanden Kolumbiens. Auf der Suche oft nur saisonal zu findender Nahrung durchstreifte er einst in großen Schwärmen weite Teile dieser Gebirgsregion. Den menschlichen Nachstellungen durch Nesträuberei und Jagd und der großflächigen Abholzung der Bäume war er aber nicht gewachsen: In den 70er Jahren brach die Population zusammen. Fast 20 Jahre lang schien die Art ausgestorben, bis dann 1995 zwei kleine Schwärme gesichtet wurden.

Das Schicksal des Gelbohrsittichs ist eng verknüpft mit dem der Wachspalme. Ihre Früchte dienen als Nahrung und ihre Wedel als Ruheplätze für die Sittiche, während Höhlen in den Palmstämmen von den Vögeln zum Nisten aufgesucht werden. Aber auch umgekehrt profitiert die Palme von den Papageien durch die Verbreitung des Samens.

Andrew Selsky/AP / AP