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Globale Erwärmung: Wenn das Klima plötzlich kippt

Aus menschlicher Sicht scheint der Klimawandel langsam voranzuschreiten. Doch Forscher warnen vor plötzlichen, nicht mehr umkehrbaren Veränderungen. Deutsche und britische Wissenschaftler haben die neun wichtigsten potenziellen "Kippelemente" des Klimas aufgelistet.

Manchmal können kleine Störungen ein gesamtes System umwerfen. Das kennt jeder aus dem Alltag, wenn etwa das Fahrrad durch ein winziges Loch im Schlauch nicht mehr einsatzbereit ist. Vergleichsweise kleine Störungen können auch in der Natur große Folgen haben - etwa beim Klima. Diese Meinung vertritt eine Gruppe deutscher und britischer Klimaforscher. Sie haben in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) eine Liste der aus ihrer Sicht wichtigsten neun Kippelemente veröffentlicht.

Damit sind Prozesse gemeint, die sich schon durch geringe Veränderungen langfristig und massiv wandeln können. Zu den Kippelementen zählen Regionen und Klimaphänomene - wie etwa die Sahelzone und der Indische Sommermonsun. Unter welchen Bedingungen diese Elemente kippen und welche Folgen das nach sich ziehen würde, zeigt stern.de in einer Fotostrecke.

"Die Gesellschaft könnte sich durch die gleichmäßigen Prognosen über den globalen Wandel in falscher Sicherheit wiegen", so der eindringliche Appell der Klimaforscher. Ihre Liste beruht auf den Ergebnissen eines Workshops mit 36 Klimaforschern. Zusätzlich wurden 52 Experten befragt und aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen zum Thema ausgewertet.

In die Liste aufgenommen wurden nur Elemente, die hinreichend relevant sind, weil ihr Kippen zum Beispiel das Leben vieler Menschen verändern oder das Klima der gesamten Erde beeinflussen würde. Die Elemente müssen zudem durch menschliches Handeln beeinflussbar sein - und in vergleichsweise naher Zukunft einen möglichen Kippunkt erreichen. Elemente, deren Schicksal sich erst nach 2100 entscheidet, wurden nicht berücksichtigt, heißt es in der Studie.

Nach Ansicht der Studienautoren - unter anderem Hans Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung - sollten die neun genannten Kippelemente in der internationalen Klimapolitik besonderse Beachtung finden. Die Forscher plädieren außerdem dafür, Frühwarnsysteme für Kippelemente zu entwickeln.

bub
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