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Bedrohliche Filmmusik: Wie das DAM. DAM DAM. DAM DA DAM DA Haien schadet

Menschen fürchten sich vor Haien. Die Filmmusik trägt dazu ihren Teil bei, zeigen Forscher. Dabei ist der Mensch den Haien gefährlicher als umgekehrt. Die Tiere brauchen Schutz.

Der Mensch ist für den Hai die größere Gefahr - auch wenn Filme oft das Bild eines Meerungeheuers vermitteln.

Der Mensch ist für den Hai die größere Gefahr - auch wenn Filme oft das Bild eines Meerungeheuers vermitteln.

Hören Sie mal:


Selbst wenn Sie die Augen schließen würden - den Soundtrack dürfte wohl jeder erkennen. DAM DAM. DAM DAM. DAM DA DAM DA DAM DA... Hier droht Gefahr aus der Tiefe. Der "Weiße Hai" dreht seine Kreise, sein schwimmendes Opfer an der Wasseroberfläche hat er dabei stets im Visier. Haie und Gänsehautmusik - das ist eine gängige Kombo in Filmen. Doch für die Tiere ist sie alles andere als gut, wie Harvard Wissenschaftler zeigen. Denn sie prägt unser Bild von Haien und kann so den Schutz der ohnehin gefährdeten Tiere behindern.

Für ihre in "Plos One" veröffentlichte Untersuchung präsentierten die Forscher 2000 Teilnehmern einen einminütigen Filmclip, der aus der BBC-Serie "Unser blauer Planet" stammt. Er zeigt Hammer- und Requiemhaie, die in Gruppen durchs Wasser schwimmen. Sie greifen niemanden an, Blut fließt auch nicht. Eine ganz harmlose Szene also, irgendwie sogar schön, durch die eleganten Bewegungen der Tiere, die sich wie schwebend durchs blaue Wasser bewegen.

Diese Bildsequenzen bekamen alle Teilnehmer zu sehen, lediglich die Musik variierte. Bei den einen war der Film mit mysteriöser Hintergrundmusik unterlegt. Diese klingt wenig melodiös, eine Flöte wiederholte einzelne, unruhig wirkende Töne. Perfekt, um das Gefühl von Furcht zu erzeugen. 


Eine zweite Gruppe durfte den Film mit einer triumphierenden, erhebenden Hintergrundmusik anschauen  - der Titelmelodie der Serie "Unser blauer Planet". Eine dritte Gruppe sah den Film ganz ohne Musik.


Tatsächlich war es durch die Musik gelungen, die Emotionen der Zuschauer zu steuern. Die Teilnehmer, die den Videoclip mit der furchteinflößenden Musik gesehen hatten, berichteten von deutlich negativeren Gefühlen gegenüber den Tieren als die Zuschauer in den beiden anderen Gruppen. Das überrascht zwar nicht unbedingt, über die Folgen dürfte sich mancher Filmmacher dennoch wenig bewusst sein. Die Forscher legen Naturschützern daher nahe: "Jede Organisation, die ein positives Image von Haien oder anderen Tieren verbreiten will, sollte die Filmmusik mit Bedacht auswählen", so Elizabeth Keenan, Marketingprofessorin an der Harvard Business School und eine der Autorinnen der Studie. Vor allem bei Dokumentationsfilmen. "Auch wenn es zur Unterhaltung verlockend sein mag, furchterregende Klänge einzubinden, zeigt unsere Untersuchung ganz klar, dass dies auch Nachteile mit sich bringen kann."   

Dabei bedürfen gerade die Tiere, vor denen wir Menschen uns so fürchten, selbst Schutz. Ein Viertel aller Knorpelfische - zu denen Haie, Rochen und die selteneren Seekatzen zählen - ist laut Weltnaturschutzunion (IUCN) vom Aussterben bedroht, wie eine Erhebung aus dem Jahr 2014 zeigt. Ein alarmierender Zustand, so die IUCN.

Vor allem die Fischerei setzt den Tieren zu. Sie verheddern sich als Beifang in Fischernetzen oder werden laut WWF gezielt gefangen, um an ihre Flossen zu gelangen. Denn diese gelten in asiatischen Ländern als Delikatesse. Auch ihr Fleisch wird verarbeitet. Bis zu 100 Millionen dieser Tiere sterben jährlich durch den Menschen. Deutlich mehr als Menschen durch Haie umkommen: Jährlich werden weltweit etwa 100 Haiangriffe registriert, schreibt der WWF - fünf bis zehn davon enden tödlich.


lea
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