Helgoland Lummen kurz vor dem Sprung


Im Juni kann auf Helgoland ein einzigartiges Naturschauspiel beobachtet werden - der Lummensprung. Die drei Wochen alten Lummen-Küken stürzen sich aus ihren Nestern am Steilhang in die Nordsee.

Helgoland ist von Mitte bis Ende Juni Schauplatz eines einzigartigen Naturspektakels. Dann verlassen die drei Wochen alten Küken der Trottellumme Deutschlands einzigen Vogelfelsen in der Hochsee. Noch im Dunenkleid, also mit den weichen Federn, die später von der Deckfederschicht bedeckt werden und den Vogel isolieren und wärmen, wagen die flugunfähigen Vögel den Sprung in die tief unter ihnen liegende Nordsee. Der so genannte Lummensprung von dem bis zu 40 Meter hohen Lummenfelsen im Oberland ist einmalig in ganz Deutschland, sagt Helgolands Kurdirektor Christian Ingmar Lackner.

Die Trottellumme gilt als "Charaktervogel" Helgolands. Knapp 2500 Brutpaare stehen hier jedes Frühjahr dicht gedrängt auf den Vorsprüngen und schmalen Felsbändern des roten Felsens. Sie legen jeweils nur ein einziges Ei auf den nackten Fels. Durch seine birnenartige Form rollt das Lummenei nur wenig umher und fällt deshalb selten hinunter. Während des Brütens ruht das Ei auf den Schwimmhäuten der Eltern und wird vom dichten Bauchgefieder gewärmt.

Unterwasser-Flug

Nach dem Schlüpfen versorgen die Lummen ihr Junges rund drei Wochen lang mit kleinen Fischen und Krebsen. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und können wie Pinguine unter Wasser gewissermaßen fliegen. Das Fliegen in der Luft bereitet ihnen jedoch Schwierigkeiten. Das engt den Aktionsradius der Eltern bei der Futtersuche massiv ein. Durch den Lummensprung soll eine Verknappung der Nahrung während der Brutzeit im Umfeld der Kolonie vermieden werden.

So locken die Eltern bei ruhigem Wetter kurz vor Einbruch der Dunkelheit mit "Wasserrufen" ihre Küken zum Sprung in die Tiefe. Dabei sind die Kleinen zu dieser Zeit längst noch nicht ausgewachsen. Sie haben erst ein Fünftel bis ein Viertel des Gewichtes der Altvögel erreicht.

"Lummentage" für Experten

Nach dem Lummensprung kehren die Jungvögel nicht zum Nest zurück. Sie bleiben wie die alten ständig auf See. Erst im Alter von zwei bis vier Jahren suchen sie wieder eine Brutkolonie auf.

Helgoland veranstaltet in diesem Jahr zum ersten Mal vom 14. Bis 17. Juni die so genannten "Lummentage" mit Vorträgen der Vogelwarte Helgoland und des Vereins Jordsand. Die "Lummentage" richten sich nicht speziell an Vogel-Experten, sondern an interessierte Laien und Naturfreunde. Wer den Lummensprung beobachten will, muss auf jeden Fall auf Helgoland übernachten, da das Schauspiel vorwiegend in der Abenddämmerung statt findet.

Wolfgang Runge/DPA DPA

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