Infografik Wie Erdbeben entstehen


Erdbeben entstehen an den Grenzen der großen Kontinentalplatten der äußersten Erdkruste. Obwohl die Risikoregionen bekannt sind, ist eine zuverlässige Vorhersage von Erdbeben noch immer nicht möglich.

Nach der Theorie der Plattentektonik besteht die Erdkruste lückenlos aus sechs großen und einigen kleineren Platten. Die mehr oder weniger starren Platten bewegen sich untereinander in horizontaler Richtung. An den Grenzen zwischen Platten befinden sich Zonen geologischer Aktivität. Der überwiegende Teil aller Erdbeben entsteht durch ruckartige Verschiebungen von Gesteinsschollen im tieferen Bereich der Erdkruste entlang dieser Plattengrenzen. Ihre Wirkung kann sehr weit reichen und katastrophale Wirkungen haben.

Flachbeben haben ihren Herd in einer Tiefe bis 70 Kilometer, mitteltiefe Beben bis 300 Kilometer und Tiefbeben bis 700 Kilometer. Die Herde besitzen eine gewisse räumliche Ausdehnung. Das gedachte Zentrum eines Bebens wird Hypozentrum genannt. Der senkrecht darüber liegende Punkt der Erdoberfläche heißt Epizentrum. Erdbeben pflanzen sich als Erdbebenwellen fort.

Nachbeben dauern noch Wochen an

Noch Wochen nach einem verheerenden Erdbeben kann die betroffene Region durch Nachbeben erzittern. Nachbeben können mehrere Ursachen haben. Oft wird durch ein Hauptbeben nicht die gesamte Energie freigesetzt, die sich im Zentrum aufgestaut hatte. Wo das Gestein entlang einer bewegten Fläche aufgerissen ist, bebt es erneut. Oder das Hauptbeben erhöht die Spannung an benachbarten Punkten, so dass es dort zu neuen Beben kommt.

Über eine Zeit von mehreren Wochen oder gar Monaten können hunderte bis tausende Nachbeben auftreten. Meist nimmt deren Zahl und Stärke rasch ab, doch mitunter folgt einem starken Beben ein ähnliches innerhalb von Stunden oder Tagen nach.

Vorhersage von Erdbeben noch immer nicht exakt

Trotz intensiver Forschung lassen sich nach Einschätzung von Experten Erdbeben immer noch nicht exakt vorhersagen. Warnungen seien bei Erdbeben kaum möglich, so der Leiter des Seismologischen Zentral-Observatoriums der Erlanger Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Dieter Seidl.

Bruchvorgänge an den Rändern großer Kontinentalplatten seien äußerst kompliziert und nicht vorausberechenbar. "Wir wissen nie, wann und wo solche Brüche stattfinden", sagte der Erdbeben-Experte. Allerdings seien die Risiko-Gebiete inzwischen sehr genau bekannt. Das sei zum Beispiel der gesamte Pazifikraum. "Pro Tag finden auf der Welt drei Erdbeben statt. Viele bleiben weitgehend unbemerkt, weil sie sich in menschenleeren Gebieten ereignen", erklärte Seidl.

Deutschland: Rheingraben, Eifel und Alb sind bedroht

Zu den am meisten bedrohten Gebieten in Deutschland zählen der Rheingraben und das Eifelvorland. Als besonders erdbebenintensiv hat sich in diesem Jahrhundert auch die Schwäbische Alb erwiesen. Das schwerste Beben in Deutschland mit einer Stärke von knapp sechs auf der Richterskala hatte sich 1978 in der Schwäbischen Alb ereignet.

Relativ sicher vor Erschütterungen ist dagegen Norddeutschland. Beben in dieser Region sind selten, da dort keine tektonischen Platten aufeinander treffen. Allerdings wurde bereits im vergangenen Jahr bei Schwerin ein Beben gleicher Stärke registriert. Die wenigen südlich der Elbe aufgetretenen Beben wurden durch Einstürze in Salzbergwerken verursacht.

Experten rechnen in Deutschland alle vier Jahre mit einem Beben der Stärke 5,0 auf Richter-Skala. Die Klassifizierung wurde von dem 1985 verstorbenen US-Seismologen Charles F. Richter aufgestellt. Danach sind Erdbeben der Stärke 1 bis 2 lediglich durch Instrumente nachweisbar, Beben der Stärke 3 nur nahe ihres Zentrums zu spüren. Beben der Stärke 4 bis 5 verursachen leichte Schäden, Beben der Stärke 6 können schwere Schäden und Todesopfer zur Folge haben.

In Nordafrika häufen sich Erdbeben wegen der Kontinentalverschiebung. Im Mittelmeerraum treffen die große Nordafrikanische und die Euroasiatische Kontinentalplatte aufeinander.

Japan wird jedes Jahr von hunderten Erdbeben erschüttert

Japan gehört zu den erdbebenreichsten Ländern der Erde. Jahr für Jahr werden hunderte Erdstöße auf dem Inselstaat registriert. Grund für die seismologischen Aktivitäten ist die Lage Japans mit seinen Hauptinseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu in der Reibungszone von drei Kontinentalplatten. Zwar ist die japanische Inselgruppe noch Teil der Eurasien-Platte, doch unmittelbar vor der Pazifikküste stößt dieser Teil der Erdkruste auf die Philippinen- Platte und die Pazifische Platte. Die Bewegungen dieser drei Kontinentalmassen führen zu den Spannungen, die Japan regelmäßig bedrohen.

Erdbeben sind in Südamerika keine Seltenheit

Einige Gebiete des amerikanischen Kontinents sind auf Grund geophysikalischer Gegebenheiten stark erdbebengefährdet. Denn die etwa 100 Kilometer mächtige äußere Gesteinsschicht der Erde - die so genannte Lithosphäre - besteht aus mehreren Kontinentalplatten, die sich in diesen Regionen aneinanderreiben und damit die verheerenden Erschütterungen auslösen. Das gilt auch für Peru, wo sich die Nazca-Platte vom Pazifik her unter den südamerikanischen Kontinent schiebt und Spannungen aufbaut.


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