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Klimaschutz: Das Schaf der Zukunft rülpst nicht

Rülpsende Nutztiere sind eine Gefahr fürs Weltklima. Doch australische Forscher versprechen Abhilfe: Sie wollen emissionsarme Schafe züchten.

Wenn Schafe rülpsen, ernten sie zwar keine bösen Blicke vom Weidenachbarn. Dafür aber haben Klimaschützer die Wiederkäuer auf dem Kieker: Das Methan, das den Magen beim Aufstoßen verlässt, ist 23-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid. Allein in Australien mit seinen rund 80 Millionen Schafen entstehen dadurch rund 600.000 Tonnen Methan pro Jahr.

Zu viel schlechte Luft, meint nun eine Forschergruppe aus dem Bundesstaat New South Wales - und will zur Rettung der Welt emissionsärmere Schafe züchten. Eine Abgasmessung bei 200 Tieren ergab, dass die Wolllieferanten unabhängig von der Futtermenge unterschiedlich viel Methan ausrülpsen. Die umweltfreundlicheren Tiere sollen deshalb als Ausgangspunkt für die Züchtung einer ganzen Population von künftigen Ökoschafen dienen. Momentan fahnde man nach genetischen Grundlagen für die individuelle Rülpsmenge, sagt Projektleiter John Goopy.

Klimaforscher sehen in der Nutztierhaltung schon lange eine Gefahr für das Klima. Ein Bericht der Welternährungsbehörde FAO von 2006 beziffert ihren Anteil an den globalen Treibhausgasemissionen auf 18 Prozent. Ein aktueller Bericht der Organisation Worldwatch Institute kommt sogar auf 51 Prozent. Die Autoren berücksichtigen in ihrer Rechnung unter anderem das von den Tieren ausgeatmete Kohlendioxid. Zudem stufen sie das Methan als wesentlich schädlicher für das Erdklima ein als der FAO-Bericht, da das Gas seine Wirkung in der Atmosphäre schneller entfalte als CO2.

Die größten Luftverpesster sind die Rinder

Ein erheblicher Teil der Treibhausgase stammt aus dem Verdauungstrakt der Nutztiere. Mikroorganismen in ihren Mägen produzieren das Gas beim Zersetzen der Nahrung - ähnlich wie in einem Biogasreaktor. Allein in Deutschland stammen nach Angaben des Nationalen Inventarberichts, der alle Treibhausgasquellen auflistet, 1,8 Prozent der Emissionen von rülpsendem und pupsendem Nutzvieh. Größter Luftverpester seien die Rinder. Zum Vergleich: Der Straßenverkehr ist für rund 14 Prozent verantwortlich.

Ansätze, die stinkende Klimabedrohung in den Griff zu kriegen, gibt es viele. Zum Leidwesen der Tierschützer gilt: Was gut ist fürs Klima, ist selten gut für das Tier. Eine Möglichkeit wäre, noch effizientere Milchproduzenten zu züchten. Den Kapazitäten einer Kuh sind jedoch natürliche Grenzen gesetzt. Neben der Zucht von Turborindern wird auch an einer Veränderung des Magenmilieus geforscht. Das führt bei Kühen allerdings zu Sodbrennen - bei vier Mägen eine schmerzhafte Angelegenheit. Zusatzstoffe im Futter reduzieren zwar das ewige Aufstoßen, sind aber schwer bekömmlich. So liegt die Hoffnung des Nutzviehs letztendlich doch in den Händen der australischen Schafzüchter.

FTD