Klimawandel Keine Winter mehr in 100 Jahren?


Der diesjährige Januar bricht Wärmerekorde quer durch Europa. Klimaforscher befürchten, dass es in 100 Jahren keine richtigen Winter mehr geben könne.

Der Monat war bislang in Deutschland im Durchschnitt vier bis acht Grad zu warm, wie Reik Schaab, Klimaexperte vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach, am Dienstag der AP sagte. Trotz der ab Donnerstag erwarteten Temperaturabkühlung könne es der wärmste Januar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Nach Untersuchungen des Klimaforschers Mojib Latif wird es wegen der zunehmenden Erderwärmung in 100 Jahren im Flachland praktisch gar keinen Winter mehr geben.

Besonders im Nordosten Deutschland war es in diesem Jahr bislang viel zu warm, wie Schaab erklärte. Trollenhagen in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise meldete bis einschließlich 10. Januar einen Mittelwert von 6,7 Grad gegenüber dem langjährigen Mittel von minus 1,3 Grad für den ganzen Monat. Am Montag waren in Norddeutschland großflächig Temperaturrekorde gemessen worden, die die bisherigen Höchstmarken zum Teil um rund ein Grad überschritten. So war es in Rostock 14,0 Grad warm gegenüber bisher 12,9 Grad und in Faßberg in der Lüneburger Heide 15,4 Grad gegenüber bisher 14,6 Grad.

50 Tage weniger Frost im Jahr 2100

Auch in der belgischen Hauptstadt Brüssel übertraf der Montag mit 14 Grad den bisherigen Rekord für den 10. Januar von 12,2 Grad bei weitem. Mit 16 Grad wurde im südböhmischen Budweis am 8. Januar der höchste Wert seit 230 Jahren gemessen. In der norwegischen Hauptstadt Oslo waren die ersten sechs Januartage die wärmsten seit 1938. In Teilen Tschechiens und in der Slowakei weckten die milden Lüftchen einige Braunbären vorzeitig aus dem Winterschlaf.

Als extrem zu warm bezeichnete auch der Kieler Professor Latif die gegenwärtigen Januar-Temperaturen. Wegen der fortschreitenden Erderwärmung werden nach seinen Untersuchungen die für die hohen Temperaturen verantwortlichen so genannten Westwetterlagen weiter zunehmen. Infolgedessen werde es in Deutschland im Winter in Zukunft noch wärmer werden: "Im Jahr 2100 gibt es nach unseren Klimamodellen 50 Tage weniger Frost. Praktisch haben wir dann gar keinen Winter mehr", sagte der Professor des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften der "Welt".

In den nächsten Tagen geht nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes das vorfrühlingshafte Wetter mit dem Durchzug einer Kaltfront allerdings erst einmal zu Ende. Ab Mittwoch soll Tief "Gero" Meeresluft polaren Ursprungs nach Deutschland einfließen lassen und gelegentliche Regen-, Schnee- und Graupelschauer bringen. Die Temperaturen sollen sich mit leichten Nachtfrösten und Höchstwerten zwischen null und fünf Grad auf "normale winterliche Werte" einpendeln, wie Meteorologe Stefan Külzer erklärte.

DPA


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