HOME

Klimawandel: Überhitzte Meere bedrohen Korallenbestände

Alarmierende Befunde in den Meeren und Ozeanen: Weltweit stehen Korallen aufgrund hoher Wassertemperaturen unter enormem Stress. Es droht ein verheerendes Artensterben.

Erschreckende Bilder aus dem Meer alarmieren Korallenforscher: bis zu 90 Prozent ausgeblichene Korallenbänke in den Gewässern Thailands, bleiche Riffe vor der Küste Sumatras und jetzt auch in der Karibik. Bleiche Korallen sind anfällig für Krankheiten und drohen abzusterben. Dies wäre eine Katastrophe für viele Meerestiere. Vor allem Fische, die dort ihren Nachwuchs groß ziehen, sind betroffen.

Schuld an diesem Phänomen sind die hohen Wassertemperaturen der vergangenen Monate: Im Gewebe von Korallen leben sogenannte Zooxanthellen, mikroskopisch kleine Algen, über die die Korallen Nahrung aufnehmen und ihre bunte Farbenpracht erhalten. "Korallen halten diese wie Gefangene und zwingen sie, Zucker zu produzieren", sagt Clive Wilkinson vom Zentrum für Riff- und Regenwaldforschung im australischen Townsville. "Wenn die Wassertemperaturen zu hoch sind, werden die Algen giftig. Dann spucken die Korallen sie praktisch aus. Dadurch fehlt ihnen der Zucker, sie werden anfällig für Krankheiten, haben keine Energie zum Laichen und sterben ab." Übrig bleibt dann nur das helle Kalkgehäuse, dem die Korallenbleiche ihren Namen verdankt.

Nur Hurrikans könnten noch helfen

In diesem Jahr lagen die Temperaturen wieder wochenlang deutlich über dem Durchschnitt. "Das hat in Südostasien zu extrem schwerer Bleiche geführt", so Mark Eakin, Direktor des Korallenprogramms der US-Ozeanbehörde NOAA, Anfang September in einem Vortrag. Noch Schlimmeres befürchtet er jetzt für die Karibik: "Da ist die Situation richtig ernst." Er hofft nun auf ein paar schwere Stürme, denn Hurrikans kühlen das Wasser ab. Auch das Barrier Reef in Australien ist mit dem dort bevorstehenden Sommer in der Gefahrenzone. "Wir haben aber in diesem Jahr viel Regen und rechnen mit Zyklonen", meint Wilkinson.

Vor allem Fische leiden

Ein Korallensterben hätte fatale Folgen: Ihre Kalkskelette bilden kilometerlange Riffe, in denen Krebse, Seesterne und andere Kleintiere leben. Viele Fische nutzen Korallenbänke als Kinderstube, weil ihre Kleinen sich dort vor Raubfischen verstecken können. "Die Riffe sind Grundlage für komplexe Nahrungsmittelketten", berichtet Wilkinson. "Fische, die an Korallenriffen leben, sind eine bedeutende Nahrungsmittelquelle für mehr als eine Milliarde Menschen", schätzt die US-Ozeanbehörde.

Schnelle Lösungen gibt es nicht. "Der konsequente Schutz des Meeres ist das einzige, was die Korallen retten kann", sagt Wilkinson. "Ohne Reduzierung der Treibhausgase, die für die Luft- und Meereserwärmung verantwortlich sind, geht es nicht." Allerdings hat der Wissenschaftler einen Hoffnungsschimmer: So wuchsen auf der Hälfte der Riffe, die ihre Korallen bei der Bleiche 1998 verloren hatten, wieder Korallen nach. "Aber das ist wie nach einem Waldbrand: Die schnell wachsenden Arten kommen als erste zurück und breiten sich aus. Die langsam wachsenden Arten, die aber oft robuster sind, haben es schwer. Es ist nachher nie mehr so wie vorher."

DPA/te / DPA