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Naturschutzbund: Kormoran zum Vogel des Jahres gekürt

Der fischfressende Kormoran ist der Vogel des Jahres 2010. Mit dieser Wahl soll das Tier in Zukunft besser geschützt werden, da seine Tötung flächendeckend erlaubt ist. Sport- und Berufsfischer protestieren zum Teil heftig.

Jedes Jahr würden bis zu 15.000 Kormorane geschossen werden, begründeten der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern ihre Wahl. Da dieser Vogel von Fischern und Anglern verfolgt werde, sei er in Deutschland lange Zeit fast verschwunden gewesen.

Der bis zu einem Meter große und bis drei Kilo schwere Vogel ernährt sich von Fisch und gilt als Meistertaucher. Er kann bis zu 90 Sekunden lang und 30 Meter tief tauchen. Aus Sorge um die Fischbestände kritisierten daher der Verband Deutscher Sportfischer und der Deutsche Anglerverband die Wahl der Naturschutzverbände zum Teil scharf. Eberhard Roese, Präsident des Fischereiverbands Bayern, nannte die Wahl "in höchstem Maße ärgerlich". In Europa gebe es zwei Millionen Kormorane, die den Fischfang bedrohen würden. Im vergangenen Winter seien viele Gewässer "de facto vom Kormoran leer gefressen worden". In vielen Bundesländern habe der Vogel die Betreiber von Fischzucht- und Teichanlagen an den Rand des Ruins getrieben.

Der Nabu hält dagegen, dass der Kormoran die Fischbestände nicht gefährde. Trotzdem hätten fast alle Bundesländer Verordnungen erlassen, die den bestehenden Schutz des Vogels untergraben. Die Tötung der Fischfresser sei flächendeckend erlaubt. Ein Jäger müsse nicht einmal nachweisen, dass ein konkreter Schaden vorliegt. Nur dank einer Vogelschutzrichtlinie der EU sei es gelungen, die meisten der heute existierenden Vogelkolonien vor allem in Küstenbereichen wieder anzusiedeln. Inzwischen lebten wieder rund 24.000 Brutpaare im Land.

Auch Ludwig Sothmann, Vorsitzender des bayerischen Vogelschutzverbandes, betonte, die Kormorane würden natürliche Fischbestände nicht bedrohen und langfristig keine Fischarten gefährden. Er räumte aber ein, dass es bei Fischzuchtanlagen und in Zentren der Teichwirtschaft Probleme gebe. Dort könnten mit der Berufsfischerei Lösungen gefunden werden, um Platz für Vögel und Fische zu sichern. Fischteiche könnten etwa durch weitmaschige und gut sichtbare Drahtnetze oder durch optische und akustische Signale geschützt werden.

Der Kormoran ist außer in Südamerika weltweit verbreitet. Charakteristisch sind seine grünen Augen. Wenn sein Gefieder nach Tauchjagden mit Wasser vollgesogen ist, lässt er es von Wind und Sonne trocknen. Dazu breitet der Großvogel die Flügel auf einem Ruheplatz aus.

DPA/DPA