Todesopfer von Minneapolis Dreifache Mutter, Dichterin, Gitarristin – wer war Renee Good?

  • von Hannah Kuhlmann
Ein Foto von Renee, ermordet von ICE
Renee Nicole Macklin Good, 37, wurde am Mittwoch von einem ICE-Agenten in Minneapolis erschossen
© Scott Olson / AFP
Die 37-jährige Renee Nicole Good wurde in Minneapolis von einem ICE-Beamten hinter dem Steuer ihres Autos erschossen. Sie hinterlässt drei Kinder, eines davon als Vollwaise. 

Als "Dichterin und Schreiberin und Ehefrau und Mutter und miserable Gitarrenspielerin" – so beschrieb sich Renee Good selbst auf ihrem Instagram-Account. Zu ihren 429 Beiträgen wird keiner mehr hinzukommen: Ein Beamter der US-Einwanderungsbehörde ICE hat die 37-jährige dreifache Mutter am Mittwochmorgen bei einem Einsatz in Minneapolis erschossen. Inzwischen ist mehr über das Opfer bekannt.

Ausgezeichnete Dichterin und Schreiberin

Good hatte kreatives Schreiben an der Old Dominion University in Virginia studiert, wo sie 2020 ihren Abschluss machte. Während ihrer Studienzeit wurde eines ihrer Gedichte mit dem Academy of American Poets Prize ausgezeichnet.

In einem Statement nimmt die Universität Abschied von ihrer ehemaligen Studentin. Man sei nach Renees tragischem Tod in Gedanken bei ihren Angehörigen, gleichzeitig zeige dieser Vorfall, dass Angst und Gewalt im Land allgegenwärtig geworden seien. Die Universität appelliert dabei für die Wiederherstellung von Anstand und Respekt, insbesondere von Führungskräften und Amtsträgern.

Renee hatte "ein gutes, aber hartes Leben"

Renee Good, geboren in Colorado, war erst im vergangenen Jahr nach Minneapolis gezogen. Ihre zwei ältesten Kinder, zwölf und 15 Jahre alt, stammten aus ihrer ersten Ehe. Der Vater ihres sechsjährigen Sohnes war bereits 2023 ums Leben gekommen, der Junge wächst nach dem Tod seiner Mutter jetzt also als Vollwaise auf. 

Goods Familie wurde am späten Mittwochmorgen über ihren Tod informiert. "Renee war eine der freundlichsten Menschen, die ich jemals kannte", sagte ihre Mutter, Donna Ganger, der lokalen Zeitung "Minnesota Star Tribune". Sie sei eine "extrem warmherzige" Person gewesen, die sich stets um die Menschen in ihrem Leben gekümmert habe.

Ihr Vater, Tim Ganger, sagte der "Washington Post", seine Tochter habe ein gutes, aber hartes Leben gehabt. Auch er beschrieb Renee als eine "wundervolle Person".

Trump Regierung: ICE-Einsatz sei "Notwehr" gewesen

Zwei Stunden nach dem Vorfall hatte das US-Ministerium für Heimatschutz auf der Plattform X ein Statement veröffentlicht. Darin hieß es, dass "Randalierer anfingen, ICE-Beamte zu blockieren". Eine dieser "gewalttätigen Randalierer" habe sein Fahrzeug als Waffe eingesetzt und versucht, damit einen Beamten zu überfahren, der Schütze habe somit aus Notwehr gehandelt.  

US-Vizepräsident JD Vance verteidigt den Einsatz des ICE-Beamten in Minneapolis
US-Vizepräsident JD Vance verteidigt den Einsatz des ICE-Beamten in Minneapolis
© Samuel Corum / Action Press

Auch Donald Trump hatte sich in einem Social-Media-Post zu Wort gemeldet. Er schrieb, die Frau habe sich "sehr ordnungswidrig, blockierend und widerständig" verhalten. Sein Vize JD Vance betitelte die Tragödie als von Good "selbst verschuldet". Auf den Videos sei klar zu sehen gewesen, dass die Frau versucht habe, den ICE-Agenten mit ihrem Auto zu rammen, so der Vizepräsident.

John Gross, Rechtswissenschaftler der Universität Wisconsin, sieht das anders. Ihm zufolge sei der Vorwurf, es handle sich um einen terroristischen Akt, völlig unsinnig. Im TV-Sender CBC erläuterte er außerdem, dass aus den Videos klar hervorgehe, dass Good nie versucht habe, den ICE-Beamten zu rammen. Auch international gibt es viele Stimmen, die das Vorgehen der ICE-Beamten eher an das Vorgehen willkürlich agierender Polizeistaaten erinnert.

Minneapolis trauert um Verstorbene

Nur wenige Stunden nach dem tragischen Vorfall wurde in der Nähe des Tatorts eine Mahnwache für die verstorbene Renee Good abgehalten. Tausende Menschen versammelten sich dort und forderten Rechenschaft. Damit sind sie nicht allein, auch lokale Amtsträger kritisieren die Eskalation des Einsatzes.

Unweit vom Tatort entfernt ist in Minneapolis eine Mahnwache entstanden
Unweit vom Tatort entfernt ist in Minneapolis eine Mahnwache entstanden
© Christopher Katsarov / Action Press

Senatorin Tina Smith forderte die ICE-Behörde auf Social Media auf, die Stadt sofort zu verlassen. Die Versuche der Trump-Regierung, die verstorbene Frau als gefährlich darzustellen, nannte sie "ekelhaft".

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