Die brutalen Methoden der US-Einwanderungsbehörde ICE stoßen in der amerikanischen Bevölkerung auf immer mehr Widerstand. Inzwischen werden auch aus dem republikanischen Lager zunehmend Stimmen laut, die das Vorgehen der Behörde kritisieren. So jetzt auch die des Podcasters und erklärten Trump-Anhängers Joe Rogan.
"Sind wir schon so weit gekommen?"
In seinem Podcast distanziert sich Rogan am Dienstag (Ortszeit) von dem Vorgehen der US-Behörde und findet dabei harte Worte. "Werden sie die Gestapo sein? So nach dem Motto: 'Zeigt mir Eure Papiere, sonst ...' Sind wir schon so weit gekommen?" fragt er, als der Tod der 37-jährigen Renée Good zum Gesprächsthema wird. Sie wurde in der vergangenen Woche in Minneapolis von einem ICE-Beamten erschossen.
"Es ist sehr hässlich, zu sehen, wenn jemand einem US-Staatsbürger, dazu noch einer Frau, ins Gesicht schießt", erläutert Rogan weiter. Zudem stellte er sich gegen die offizielle Erklärung von Trumps Heimatschutzministerin Kristi Noem, welche Good vorgeworfen hatte, den Beamten überfahren zu wollen. "Ich hatte vielmehr den Eindruck, dass sie den Wagen in die andere Richtung steuern wollte", schätzt Rogan die Situation ein.
Populärer Podcast für viele Amerikaner wegweisend
Mit seinem Podcast "The Joe Rogan Experience" gehört der Unternehmer zu einer der einflussreichsten Stimmen in den USA. Alleine auf Spotify hat die Sendung über 15 Millionen Abonnenten und ist damit die erfolgreichste auf der Plattform. In der Vergangenheit ist Rogan auch mit der Verbreitung von Falschinformationen und rassistischen Äußerungen aufgefallen, für die er sich nachträglich um Entschuldigung bat. Zu seinen Gästen zählten auch Verschwörungstheoretiker.
Seine Zuhörerschaft besteht hauptsächlich aus jungen Männern, weshalb Rogans Unterstützung für Trump besonders in dieser Wählergruppe als besonders wegweisend galt. Der damalige Präsidentschaftskandidat war im Oktober 2024 für ein dreistündiges Gespräch in dem Podcast zu Gast.
Zwiespältiges Verhältnis zu Donald Trump
Ob Rogan mit seiner Kritik an der ICE-Behörde nun völlig mit Donald Trump und seiner Präsidentschaft gebrochen hat, ist bisher nicht klar. Es wäre jedoch nicht das erste Mal, dass er mit dem US-Präsidenten aneinandergerät. Im Wahlkampf hatte Rogan eigentlich beiden etablierten Parteien in den USA eine Absage erteilt und stattdessen seine Sympathien für den unabhängigen Kandidaten Robert F. Kennedy Jr. geäußert.
Nach einer verärgerten Reaktion von Trump und einem Shitstorm aus dem Lager seiner Anhänger ruderte Rogan öffentlich zurück: Er schätze Kennedy lediglich als Person. Nach einer Podcast-Folge des damals noch Trump-nahen Unternehmers Elon Musk sprach Rogan dann auch eine klare Wahlempfehlung für Trump aus, seine Argumente hätten ihn "in jeder Hinsicht" überzeugt.
Als Reaktion auf seine neusten Aussagen bezeichnete der Publizist Ben Burgis den Podcasrer jetzt scherzhaft als "Amerikas berühmtesten Swing-Voter".