NITROFEN Verseuchtes Fleisch in zehn Bundesländern


Es wird weiter intensiv nach Nitrofen-verseuchten Lebensmitteln gesucht. Mittlerweile wird auch angezweifelt, dass die verseuchte Lagerhalle alleinige Ursache der Nitrofen-Belastung ist.

In den Bundesländern wird weiter intensiv nach Nitrofen-verseuchten Lebensmitteln gesucht. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hatte am Montag mitgeteilt, belastetes Putenfleisch sei seit November 2001 an mindestens 90 Abnehmer in zehn Bundesländern geliefert worden. Die Behörden der betroffenen Länder seien informiert worden. Um welche Länder es sich handelt, war zunächst offen. Inzwischen hat zumindest Hessen mitgeteilt, zu den Ländern zu gehören. Weitere Lieferungen seien ins Ausland gegangen. Ob die Ware auch zu Endverbrauchern gelangt sei, müsse von den jeweiligen Ländern geklärt werden, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Belastete Puten

Die Puten, von denen das Fleisch stamme, hätten belastetes Futter erhalten, ergänzte der Sprecher in Hannover. Das ergebe sich aus Lieferlisten des niedersächsischen Futtermittelherstellers GS agri. Stichproben hätten gezeigt, dass auch das Fleisch der Tiere Nitrofen enthielt. Wie viel Fleisch bis zum offiziellen Bekanntwerden des Öko- Skandals am 23. Mai ausgeliefert wurde, ist noch unklar.

Fleisch in drei Kindergärten verwendet

In Bremen wurde das belastete Fleisch nach Behördenangaben in drei Kindergärten verwendet. Außerdem seien mindestens zwei Lebensmittelhändler versorgt worden. Ein Sprecher des baden- württembergischen Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart sagte am Montagabend, drei gemeldete Biohähnchenfleisch-Lieferungen, die an Betriebe im Südwesten verkauft wurden, würden auf Nitrofen untersucht. Bislang seien keine Spuren des Mittels gefunden worden.

Malchiner Gifthalle soll nicht alleinige Nitrofen-Quelle sein

Die als Getreidezwischenlager genutzte Halle in Malchin, in der zu DDR-Zeiten Pflanzenschutzmittel lagerten, ist nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister, Till Backhaus, »nicht alleinige Quelle der Nitrofenbelastungen«. Als Beweis führte Backhaus am Dienstag in Schwerin eine laut Prüfungen saubere Getreidelieferung eines Öko-Bauern an die Firma GS agri im niedersächsischen Kreis Cloppenburg an, die als Nitrofen verseuchtes Futter zurück gekommen sei.

Bei einem Mastbetrieb aus dem Münsterland wird Ergänzungsfutter für Schweine geprüft, sagte ein Sprecher des Kreises Coesfeld. Nach einem aktuellen Prüfbericht der Landwirtschaftskammer Rheinland in Bonn sei »Öko-Ergänzungsfutter fein« für Schweine hochgradig mit Nitrofen belastet, berichtete das Magazin »ZDF.reporter« am Montag.

Dachverband soll bessere Koordination gewährleisten

Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AGÖL), Felix zu Löwenstein, kündigte als Konsequenz aus dem Nitrofen-Skandal die zügige Gründung eines Dachverbandes der ökologischen Anbauverbände an. »Wir brauchen dringend eine Plattform, auf der Informationen schneller fließen können«, sagte er der »Berliner Zeitung« (Dienstag). Auf diese Weise könnten die Kontrollergebnisse der einzelnen Verbände besser koordiniert werden. Der Chef der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, forderte in dem Blatt, Lieferanten von verseuchten Produkten wesentlich schärfer zu bestrafen als bisher.


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