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ÖLPEST: Warten auf eine nicht mehr abwendbare Katastrophe

Die »schwarze Flut« von rund 9.000 Tonnen Öl aus dem gesunkenen Tanker »Prestige« bedeckte eine Fläche von 500 Quadratkilometern - das sind zwei Drittel der Fläche Hamburgs.

Warten auf eine nicht mehr abwendbare Katastrophe: Einwohner von Kap Finisterre an der galicischen Küste haben sich heute am Leuchtturm versammelt und mit Ferngläsern auf den nur noch fünf Kilometer entfernten riesigen Ölteppich gestarrt. Die »schwarze Flut« von rund 9.000 Tonnen Öl aus dem gesunkenen Tanker »Prestige« bedeckte eine Fläche von 500 Quadratkilometern - das sind zwei Drittel der Fläche Hamburgs.

Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann das Öl an die Strände der artenreichen Region mit ihren Muschelbänken schwappte. Die zu befürchtenden ökonomischen und ökologischen Schäden übertrafen noch das Ausmaß der ersten Ölwelle von 6.000 Tonnen, die aus dem Tanker ausgetreten war. Die »Prestige« war am 13. November vor der wegen ihrer vielen Schiffswracks so genannten Todesküste leck geschlagen und sechs Tage später gut 250 Kilometer entfernt gesunken.

Spanien und Portugal hatten es verboten, den Tanker in einen Hafen schleppen zu lassen und stattdessen das 26 Jahre alte Einhüllenschiff aufs offene Meer hinausschleppen lassen. Dort zerbrach es in hohen Wellen und sank am einer 3,6 Kilometer tiefen Stelle auf den Meeresgrund. Am Samstag beobachteten Aufklärungsflugzeuge, dass weiterhin Öl Wrack aufstieg. Damit schien sich die Hoffnung der spanischen Regierung nicht zu erfüllen, dass das giftige Öl in dem kalten Wasser verklumpt und damit nicht mehr ganz so umweltschädlich bleibt. Die »Prestige« hatte 77.000 Tonnen Schweröl geladen.

Die »schwarze Flut« ist nicht aufzuhalten

Die unmittelbar heute die Küste bedrohende Öllache besteht aus etwa 9.000 Tonnen. Sieben Spezialschiffe saugten rund 2.300 Tonnen Öl vom Meer ab, wurden zeitweise aber von hohem Seegang behindert. An den »Rias Baixas«, den unteren Mündungsarmen ökologisch wertvoller Flüsse, wurden Ölbarrieren errichtet. Es gab aber keine Hoffnung, die »schwarze Flut« aufhalten zu können: Sie war einfach zu groß.

Der bereits vor der zweiten Ölpest angerichtete Schaden für Galicien, seine Bevölkerung und Wirtschaft, ist gewaltig: Zehntausende Fischer und vom Meer lebende Beschäftigte an Land wurden arbeitslos, da an einem 500 Kilometer langen Küstenabschnitt ein Fangverbot für Fische und Meerestiere verhängt wurde.

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