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Paläontologie: Zeitreise in Bernstein

39 Millionen Jahre war es in einem Bernstein eingeschlossen: das weltweit größte und älteste Fächerflügler-Männchen. Die heute noch vorkommenden Nachfahren des Insekts leben nur zwei Stunden lang.

In einem Bernstein haben deutsche Forscher ein bislang unbekanntes Insekt gefunden. Es habe vor mindestens 39 Millionen Jahre gelebt und gehöre zur Ordnung der Fächerflügler. Das Tier sei das älteste und größte weltweit gefundene Fächerflügler- Männchen, sagte Professor Hans Pohl von der Universität Jena am Donnerstag. Der gefundene Protoxenos janzeni ist acht Millimeter lang, seine heute lebenden Nachfahren kommen auf zwei bis sechs Millimeter. Die Tiere nisten sich in andere Insekten als Parasiten ein.

Die Männchen leben nur zwei Stunden, in denen sie sich mit einem Weibchen paaren. "Ihr kurzes Leben steht ganz unter dem Motto "Luft und Liebe"", sagte Pohl. Die Männchen sind auf Null-Diät. Der Protoxenos janzeni allerdings habe sich auch in dieser Hinsicht von seinen Nachfahren unterschieden: Er hatte Mundwerkzeuge zur Nahrungsaufnahme. Mit einem Jenaer Kollegen und einer Rostocker Professorin hat Pohl die neue Gattung in der Zeitschrift "Zoologica Scripta" (Bd. 34, 1/2005, S. 57) beschrieben.

Der Name der Insektenordnung (Strepsiptera) leitet sich von den fächerförmigen Hinterflügeln der Männchen ab. "Die Strepsipteren sind die rätselhafteste Insektengruppe", sagte Pohl. "Bis heute bereitet ihre stammesgeschichtliche Zuordnung große Probleme." Der Zoologe bekam den fossilen Fund aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt, in dessen Besitz der Bernstein ist. Das Museum hatte den Bernstein für mehrere tausend Mark von einem Sammler gekauft.

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