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Pharmakologie: Bald Arzneimittel aus der Insektenapotheke?

Auf der Suche nach den Antibiotika von morgen haben Pharmakologen nicht mehr nur Pflanzen im Blick. Mit Millionen von Arten liefern Insekten einen riesigen biochemischen Fundus für mögliche neue Medikamente.

Nicht nur Pflanzen haben Pharmakologen bei der Suche nach neuen Wirkstoffen im Visier, sondern zunehmend auch Tiere. Aufgrund ihrer Artenvielfalt bieten sich Insekten an. "Es wird vermehrt nach Naturstoffen von Insekten mit biologischer Wirkung gesucht", berichtet der Präsident der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie, Konrad Dettner. Die Organisation ist die größte insektenkundliche Vereinigung in Deutschland.

Auf der Suche nach neuen Antibiotika

Die Wissenschaftler suchen im Insektenreich nach neuen Heilmethoden für Krankheiten, die heute nur schlecht oder gar nicht zu behandeln sind. Die Artenvielfalt der Insekten sei viel größer als die der Pflanzen, erklärt Dettner. Vier bis sechs Millionen Insektenarten stünden hier zur Verfügung, gegenüber nur etwa 250.000 Pflanzenarten. "Da tun sich ungeheure biochemische Möglichkeiten auf", betont der Professor.

Als Beispiel nennt er die Entwicklung neuer Antibiotika, die auch gegen resistente Erreger helfen oder von Molekülen, die Krebszellen zerstören. Nach Angaben der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft entdeckten Wissenschaftler der Universität Gießen in den Larven der Großen Wachsmotte ein neues Eiweiß, das den Stoffwechsel von Bakterien stört. Das Protein biete damit ein viel versprechendes Potenzial für die Entwicklung neuer Antibiotika.

AP