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Plastik im Ozean: Wie ein 19-Jähriger unsere Meere vom Müll befreien will

Unsere Ozeane sind voll von Plastik. Den Müll zu entfernen, ist laut Experten unmöglich. Die Idee eines 19-Jährigen macht Hoffnung: Er hat eine Methode entwickelt, die das Problem lösen könnte.

Von Lydia Klöckner

Slat begann schon 2011, mit einem Schulfreund an seiner Idee zu arbeiten. Sein finales Konzeptpapier stellte er vor zwei Jahren bei bei einer TedX-Konferenz in Delft vor.

Slat begann schon 2011, mit einem Schulfreund an seiner Idee zu arbeiten. Sein finales Konzeptpapier stellte er vor zwei Jahren bei bei einer TedX-Konferenz in Delft vor.

Zehntausende Plastikmüll-Teile schwimmen laut Naturschutzorganisation WWF in jedem Quadratkilometer unserer Ozeane. Jedes Jahr kommen vermutlich mehrere Millionen Tonnen hinzu. Das sieht nicht nur hässlich aus, es ist auch eines der größten Umweltprobleme unseres Planeten: Strände versinken unter Bergen von nicht kompostierbaren Plastikflaschen, Deckeln, Tüten, Zahnbürsten, Handyteilen und Feuerzeugen. Seevögel, Schildkröten und Fische verwechseln die kleineren Kunststoffteile mit Nahrung, können sie aber nicht verdauen - und sterben oft qualvoll an dem Müll in ihren Mägen.

Eine Säuberung ist nach Ansicht vieler Forscher aussichtslos. "Das nachsorgende Sammeln von Müll im Meer und am Strand ist aufwändig, kostspielig und erreicht nur einen kleinen Teil des Mülls", schreibt das Umweltbundesamt. Es sei denn, man hat eine wirklich gute Idee - so wie der 19-jährige Boyan Slat aus Holland. Der junge Erfinder hat eine Methode entwickelt, die unser Müllproblem womöglich lösen könnte. Sein Vorschlag: Anstatt mit Schiffen durch das Meer zu fahren und den Müll aufwändig mit Netzen aus den Meeren zu fischen, könne man den Spieß einfach umdrehen. "Warum sollten wir uns durch die Ozeane bewegen, wenn die Ozeane sich doch durch uns bewegen könnten? Wieso Energie damit verschwenden, dem Plastik hinterherzujagen, wenn er von selbst zu uns kommt?", so der Student.

Riesige schwimmende Filter, bestehend aus einer am Meeresboden fixierten Plattform und seitlich angebrachten Armen, sollen das Plastik einsammeln. Diese schwimmenden Barrieren sollen den Müll passiv einfangen, der von der natürlichen Wasserströmung in ihre Richtung getrieben wird. Sie würden nur etwa drei Meter tief ins Wasser hineinragen und damit genau die Wasserschichten säubern, in denen sich laut Slat das meiste Plastik ablagert. Die lebenden Organismen indes könnten einfach unter den Barrieren hindurchtauchen - die Säuberungsaktion dürfte sie also kaum beeinträchtigen.

Die Idee hatte Slat schon vor zwei Jahren bei einer TedX-Konferenz in Delft vorgestellt. Mit seinem Vortrag begeisterte der damals 17 Jahre alte Schüler sogar Fachleute. Seit der Konferenz konnte Boyan um die 100 Helfer für sein #link;hhttp://www.theoceancleanup.com/;Projekt "The Ocean Cleanup"# begeistern, darunter vor allem Wissenschaftler und Ingenieure. Laut einer Machbarkeitsstudie, die das Team auf seiner Internetseite vorstellt, ist das Unterfangen keineswegs utopisch: "Die Studie bestätigt, dass das Konzept eine machbare Methode ist, um fast die Hälfte des gesamten Plastiks der Großen Pazifischen Müllhalde zu entfernen", lautet das Fazit der Untersuchung.

Der Plan ist, das Projekt mithilfe verschiedener Ankerstellen über viele Quadratkilometer auszudehnen. So könnte die Konstruktion innerhalb von fünf Jahren einen ganzen Ozeanwirbel umfassen und mehr als sieben Millionen Tonnen Plastikmüll aus dem Wasser holen.

Crowdfunding für den Meeres-Putz

Was noch fehlt, ist ausreichend Geld: Boyan Slat will in 100 Tagen zwei Millionen Dollar sammeln, 184.000 hat er schon und noch 93 Tage vor sich. Für eine Spende von 6,21 Dollar könne man den Ozean um ein Kilo erleichtern, mit 750 Dollar ließen sich ganze 120 Kilo Müll aus dem Wasser entfernen, wirbt das Team. Langfristig soll das Projekt nicht nur der Umwelt nützen, sondern auch profitabel sein. Slat rechnet damit, dass sich der Müll verkaufen und recyclen lässt und am Ende mehr Geld einbringt, als der Bau der Anlage kosten würde.

Lars Gutow, Biologe am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven, ist skeptisch. "Ich fürchte, dass Slat und seine Mitarbeiter die Dimensionen und Kräfte unterschätzen, mit denen sie es im Ozean zu tun haben." In 4000 Meter Tiefe eine stabile Plattform anzubringen, sei eine enorme Herausforderung, die sich unter Laborbedingungen kaum einschätzen ließe. "Und selbst wenn es funktioniert, ist nicht gesagt, wie lange die Konstruktion unter den Bedingungen des offenen Ozeans hält. Wenn die Materialien von Meeresorganismen bewachsen oder von größeren Tieren beschädigt werden, ändern sie ihr physikalisches Verhalten", sagt er.

Zudem sei fraglich, ob die Filter wirklich substanzielle Müllmengen entfernen könnten. Es sei zwar richtig, dass sich Plastik aufgrund seiner geringen Dichte zunächst an der Wasseroberfläche ablagere - allerdings nur vorübergehend. "Mit der Zeit wird der Müll von Algen und anderen Organismen besiedelt, sodass er immer weiter absinkt", erklärt der Wissenschaftler. Untersuchungen zeigen, dass die höchste Abfalldichte nicht in der Wassersäule, sondern am Meeresgrund zu finden ist. "Slats Methode würde also vor allem neuen Müll entfernen", sagt Gutow. Trotzdem hält er es für gut und wichtig, dass sich Menschen wie Slat Gedanken über das Problem machen. "Ich freue mich über jedes Stück Müll, das nicht mehr im Meer schwimmt."

Aber die gute Idee könnte auch eine Kehrseite haben: Gutow warnt vor dem psychologischen Signal, das solche Projekte aussenden. "Das Entfernen von Müll aus den Meeren mag an den Symptomen des Problems ansetzen, es darf aber nicht dazu führen, dass wir die Ursachen aus den Augen verlieren." Wenn das Plastikfischen aus den Meeren dazu führe, dass wir weiterhin achtlos Müll produzieren und entsorgen, werde das Problem nicht gelöst, sondern gegebenenfalls noch verschlimmert, befürchtet der Wissenschaftler.

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