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Plastikmüll: Der qualvolle Tod der Meerestiere

Die riesigen Müllmengen der Industrieländer sind inzwischen eine ernsthafte Bedrohung für viele Meereslebewesen. Ein Projekt sieht vor, den Kunststoffmüll weltweit an drei Standorten zu sammeln und zu untersuchen - einer davon ist Spiekeroog.

"Es gibt Regionen im Nordpazifik, in denen die Plastikkonzentration etwa sechs Mal höher ist als die Planktonkonzentration", sagt Michael Braungart, Leiter des Hamburger Umweltinstitutes EPEA. "Der Abfall ist ohne Zweifel die wichtigste Ursache für den Tod von Meerestieren", betont der Experte. Der 48-Jährige ist Initiator des Projekts "Ocean Plastic", mit dem vornehmlich aus Kunststoff bestehendes Treibgut aus den Weltmeeren gesammelt und erforscht werden soll.

Der Magen der Tiere weitet sich aus

Ein Forschungsschiff habe kürzlich im Nordpazifik einen Teppich aus Plastik-Treibgut entdeckt, der so groß wie der US-Bundesstaat Texas gewesen sei, erzählt der Hamburger Wissenschaftler. "Wale, Schildkröten und Seevögel sind am stärksten bedroht. Insbesondere Albatrosse sterben daran. Das ist ziemlich ekelig." Der Magen weite sich aus, bis die Tiere qualvoll verendeten. Das Umweltinstitut EPEA unternehme verschiedene Anstrengungen, um das Problem anzugehen. Ein Vorhaben sei "Ocean Plastic". Damit soll die Zusammensetzung des Meeresmülls analysiert und eine sinnvolle Verwendung entwickelt werden.

Spiekeroog als Müllsammelstelle

Braungart zufolge ist geplant, den angeschwemmten Kunststoffmüll an weltweit drei Standorten zu sammeln. Neben Yucatan in Mexiko und der Küste von Florida in den USA ist als Sammelstelle für Europa die ostfriesische Nordseeinsel Spiekeroog vorgesehen. "Spiekeroog ist ein idealer Platz", sagt Braungart. Die Insulaner hätten ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein, für das sie bereits von Altbundespräsident Johannes Rau geehrt worden seien.

Spiekeroogs Bürgermeister Manfred Hülstede ist nicht abgeneigt. "Ich habe das Thema im Rat vorgestellt, die Politiker sehen das grundsätzlich positiv", sagt Hülstede. Allerdings müssten noch Einzelheiten geklärt werden, weil möglicherweise auch Gefahrstoffe angeschwemmt würden.

"Das Meer ist wie eine Toilette, die nicht abfließt"

Bis das Projekt starten kann, will Braungart weiter das Problembewusstsein der Menschen schärfen. "Das Meer ist wie eine Toilette, die nicht abfließt", sagt der Umweltforscher. Weil der größte Teil des Mülls über Flüsse in die Ozeane gerate, müsse über Rückhaltemethoden an den Flussmündungen nachgedacht werden. Zudem sollten zum Abschluss des Projekts in rund drei Jahren nutzbare Alternativprodukte auf den Markt kommen, die Meerestiere nicht schädigen.

"Alles, was mit dem Meer in Kontakt kommt, muss biologisch abbaubar sein", fordert der Wissenschaftler. Nach seiner Auffassung sind Veränderungen nur zu erreichen, wenn sie wirtschaftlich erfolgreich sind. Mit dem Sammel-Projekt will er deshalb zugleich herausfinden, ob mit dem Müll aus dem Meer auch Geld verdient werden kann.

Holger Szyska/DDP / DDP
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