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Prozess um Nebra-Raub: Besessen von der Himmelscheibe?

Kann ein archäologischer Sensationsfund besessen machen? Diese Frage muss ein Psychiater am kommenden Dienstag im Berufungsprozess um den illegalen Verkauf der 3600 Jahre alten "Himmelsscheibe von Nebra" klären.

In dem Prozess vor dem Landgericht Halle sind eine 46-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann aus Nordrhein-Westfalen wegen Hehlerei angeklagt. Die Verteidigung hatte die psychiatrische Untersuchung gefordert. Nach ihrer Darstellung hat die Himmelsscheibe ihre Mandantin besessen, fanatisch, zwanghaft und krank gemacht. Die Angeklagte wollte demnach die Scheibe unbedingt in den Händen halten. Ziel der Verteidigung ist es, mit dem Gutachten eine Schuldunfähigkeit oder zumindest eine erheblich eingeschränkte Schuldfähigkeit zu erreichen.

Die Angeklagten waren beide im September 2003 vom Amtsgericht Naumburg wegen Hehlerei zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Sie hatten die Berufung selbst angestrebt und eine Wiederaufnahme des Verfahrens vor dem Landgericht Halle erreicht. Die "Himmelsscheibe von Nebra" ist die älteste konkrete Sternenabbildung der Welt. Sie war 1999 von Raubgräbern entdeckt und illegal weiterverkauft worden. Die beiden Angeklagten waren im Februar 2002 in einem Hotel in Basel bei dem Versuch gefasst worden, den wertvollen archäologischen Fund zusammen mit anderen Bronzegegenständen weiter zu verkaufen.

DPA

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