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Resistenzen: Risikopatient Antibiotika

Täglich nimmt die Zahl der Antibiotika-Resistenzen zu, Infektionen mit resistenten Bakterien finden vor allem in Kliniken statt. Ärzte fordern eine bundesweite Antibiotikastrategie.

Wegen des alarmierenden Anstiegs von Antibiotika resistenten Bakterien in Kliniken fordert der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Professor Axel Kramer, schärfere Gegenmaßnahmen. Jährlich zögen sich rund 400.000 Patienten in Klinken Infektionen zu, ein Drittel ausgelöst durch das Bakterium Staphylococcus aureus. 20 Prozent dieser Bakterien seien bereits gegen Antibiotika resistent. Damit habe sich ihr Anteil seit 1990 mehr als verzehnfacht, sagte Kramer am Montag in Greifswald.

Zur Eindämmung der so genannten MRSA-Infektionen (Methicillin resistente Staphylococcus aureus) fordert der Leiter des Greifswalder Instituts für Hygiene und Umweltmedizin die Einrichtung einer fachübergreifenden Expertengruppe unter Koordinierung des Robert Koch-Institutes. Sie soll bundeseinheitlich verbindliche Maßnahmen erarbeiten und durchsetzen. Zwar gebe es seit 1999 schon Richtlinien. Diese hätten aber nur Empfehlungscharakter, sagte Kramer.

Risikopatienten isolieren

Notwendig sei eine bundesweit einheitliche Antibiotikastrategie. Risikopatienten sollten bis zur Klärung etwaiger Infektionen isoliert untergebracht werden. Für alle Patienten fordert Kramer eine generelle Untersuchung auf Erreger bei der Aufnahme in Krankenhäuser. Das Vorbild der Niederlande und Dänemarks zeige, dass durch eine national einheitlich durchgesetzte Präventionsstrategie MRSA- Infektionen auf unter ein Prozent reduziert werden können, sagte Kramer.

Damit ließen sich auch Kosten sparen. Pro Erkrankung könnten 3000 bis 10.000 Euro zusätzliche Kosten entstehen, sagte Kramer. Hinzu komme, dass die verbleibenden noch wirksamen Antibiotika zum Teil auch giftiger seien. Die MRSA-Infektionen sind nach Angaben Kramers mit schweren Krankheitsbildern und einem verlängerten Krankenhausaufenthalt verbunden.

Maßgeblichen Anteil an der Resistenzentwicklung habe der unnötige Einsatz von Antibiotika, beispielsweise bei virusbedingten Atemwegsinfektionen. Zudem werde eine Resistenzentwicklung durch Unterdosierung, zu kurze oder zu lange Anwendungsdauer begünstigt. Etwa ein Drittel aller Krankenhauspatienten erhält nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene Antibiotika.

DPA