SUPERNOVA Vorboten der Apokalypse


Eine kosmische Explosion in unmittelbarer Nachbarschaft der Erde könnte demnächst ein Massensterben auf unserem Planeten auslösen. Glücklicherweise ist »demnächst« in astronomischen Maßstäben ein dehnbarer Begriff.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Erde droht eine kosmische Explosion, die ein Massensterben auslösen könnte - allerdings erst in vielen Millionen Jahren. Ausgangspunkt der möglichen Apokalypse ist dem britischen Wissenschaftsmagazin »New Scientist« (Nr. 2344, S. 12) zufolge ein unscheinbarer Weißer Zwergstern namens HR 8210 in etwa 150 Lichtjahren Entfernung. Die Harvard-Studentin Karin Sandstrom hatte demnach bei der Vorbereitung einer Seminararbeit eher zufällig festgestellt, dass HR 8210 »demnächst« in einer Supernova explodieren könnte.

Glücklicherweise ist »demnächst« ein in astronomischen Maßstäben dehnbarer Begriff. Erste Berechnungen des Harvard-Smithsonian- Zentrums für Astrophysik deuten auf eine Galgenfrist von mehreren hundert Millionen Jahren. In dieser Zeit könnte sich HR 8210 möglicherweise sogar weit genug von der Erde entfernen, so dass der Blaue Planet die Explosion weitgehend unbeschadet überstünde. Als minimaler Sicherheitsabstand zu einer Supernova gelten 160 bis 200 Lichtjahre. Ein Lichtjahr ist die Distanz, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern.

Weißer Zwerg ohne nötige kritische Masse

Der Weiße Zwerg HR 8210 ist Teil eines Doppelsternsystems und hat eigentlich knapp die nötige kritische Masse verfehlt, um in einer Supernova zu explodieren. »Demnächst« wird sich aber sein Begleiter zu einem Roten Riesenstern aufblähen, wenn dessen Brennstoff langsam zur Neige geht. Durch die Ausdehnung stürzt vom Roten Riesen Materie auf den Weißen Zwerg, und diese zusätzliche Masse kann eine Supernova-Explosion auslösen. HR 8210 ist den Daten zufolge der derzeit beste und bei weitem nächste bekannte Supernova-Kandidat.

In der momentanen Entfernung zur Erde würden eine gigantische Welle energiereicher Strahlung und ein intensiver Hagel schneller kosmischer Teilchen die Ozonschicht minutenschnell zerstören, schreibt der »New Scientist«.

Nach Einschätzung des Röntgenastronomen Axel Schwope vom Astrophysikalischen Institut Potsdam (AIP) muss es aber nicht zu einem solchen katastrophalen Ereignis kommen.

»Eine Art Atombombe«

»Es kann auch viel schneller eine Nova zünden, sozusagen die kleine Schwester einer Supernova«, erläuterte Schwope. Zu einer Nova komme es, wenn das angesammelte Material auf dem Weißen Zwerg so heiß und dicht werde wie gewöhnlich im Sterninneren. Dann zünde ein thermonuklearer Ausbruch, »eine Art Atombombe«. Solche Novae, die in 150 Lichtjahren Entfernung ein interessantes, aber vermutlich ungefährliches Schauspiel seien, könnten sich mehrfach wiederholen. »So würde die Materie des Roten Riesen langsam aufgeraucht, ohne dass es zu einer Supernova-Explosion kommt.«

Ein möglicher Supernova-Ausbruch wäre vermutlich nicht der erste, der die Erde ereilt: Im vergangenen Jahr hatte das Hubble-Weltraumteleskop die Überreste einer Supernova entdeckt, die für ein Massensterben der Meerestiere vor zwei Millionen Jahren zumindest mitverantwortlich sein könnte. Darüber hatten Narciso Benítez von der Johns Hopkins Universität in Baltimore (US-Staat Maryland) und Kollegen im Januar auf einem Treffen der US-Astronomenvereinigung berichtet. Irdische Spuren dieser Explosion sehen die Forscher in der Anreicherung schwerer Eisen-Atome tief unter der Erdkruste. Ihre Studie ist auch im US-Journal »Physical Review Letters« (Bd. 88, 25. Februar) erschienen.

Auch wenn HR 8210 die Erde verschonen sollte, sind ähnliche Ereignisse für die Zukunft nicht auszuschließen. »Die Tatsache, dass es ein derartiges System so nahe bei uns gibt, legt nahe, dass diese Objekte möglicherweise nicht so selten sind«, vermutet Sandstroms Lehrer, der Harvard-Forscher Dave Latham, im »New Scientist«.

Till Mundzeck


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