Tier-Hotel "Schlangen sind tabu"


Wem es schwer fällt, ohne sein geliebtes Haustier in den Urlaub zu fahren, der sollte einmal eine Reise nach Rom anpeilen. Im Hotel "Valle", im Herzen Roms, sind auch tierische Gäste willkommen. Fast alle.

Zwei zitronengelbe Kanarienvögel zwitschern fröhlich vor sich hin. Neben ihrem Käfig in der Eingangshalle trollt sich ein Kaninchen im Gehege und blickt munter durch die Gitterstäbe. "Die Besitzer der Tiere reisen heute ab und haben das Zimmer schon geräumt", erzählt Laura Van Kuijk Cataldi, Direktorin des Hotels "Valle" im Herzen Roms. Dieses Hotel hat selbst in einer Metropole wie Rom einen Ausnahmestatus: Es ist wohl die einzige Herberge, in der Besucher samt Tieren willkommen sind.

"Und zwar fast jegliche Art von Tieren, wir sind da völlig offen", sagt Signora Cataldi und lächelt. Eine Einschränkung macht sie allerdings: Schlangen sind tabu. "Vor denen habe ich panische Angst", sagt sie und schüttelt sich. "Stellen Sie sich vor, eine Python oder eine Boa würden aus dem Käfig ausbrechen - dann hätten wir hier ein echtes Problem..."

Exotische Tiere sind pflegeleichter als "normale"

Die Herberge für Mensch und Tier ist mitten in der Ewigen Stadt zu finden. Die Besuche eines Makake-Äffchens namens Desirée und des Zwergschweinchens Babe sind der blonden Managerin dabei besonders in Erinnerung geblieben: "Das waren unsere wohl außergewöhnlichsten Gäste."

"Die Leute denken immer, dass exotische Tiere mehr Schwierigkeiten bereiten als etwa Hunde oder Katzen. Dabei ist das ein großer Irrtum." Schließlich seien Chamäleon und Schildkröte ruhigere Gäste als bellende Hunde und maunzende Katzen. Nur als einmal ein kleiner Hamster aus dem Zimmer ausgebüxt war, brach kurzzeitig Panik aus, schmunzeln die Damen an der Rezeption.

Dennoch kommen natürlich am häufigsten Touristen mit Hunden. "Der größte bis heute war eine enorme Dogge mit Namen Oskar", erinnert sich die Signora. Den Vierbeinern stellt das Hotel einen Überraschungskorb im Zimmer bereit, samt gemütlichem Körbchen, Futternapf, Knochen und Spielzeug.

Wenn Gäste sonst noch Sonderwünsche haben, dann brauchen sie das nur rechtzeitig vor ihrer Ankunft mitzuteilen. Und da seien schon allerlei seltsame Anfragen gewesen. "Aber alles, was wir für die Tiere und ihre Herrchen tun können, wird gemacht", sagt die Innsbruckerin Simone Nagele, eine der zwölf Mitarbeiterinnen Cataldis.

"Dogsitting"-Service included

Das Hotel arbeitet mit einem Veterinär zusammen, und es gibt auch einen "Dogsitting"-Service: "Damit die Herrchen in Ruhe durch Rom spazieren können." Die Tierbegeisterung der Angestellten ist - fast - grenzenlos. Gern erinnern sie sich vor allem an den Aufenthalt eines riesigen Leguans: "Die sehen ja beinahe aus wie Dinosaurier!", schwärmen die Damen des Hotels Valle.

Signora Cataldi ist eine echte Self-Made-Managerin. Nachdem sie jahrelang als Stewardess für die italienische Alitalia gearbeitet hatte, beschloss sie nach dem Tod ihre Mannes vor wenigen Jahren, aus ihrer Tierliebe einen Beruf zu machen. Und zwar gemeinsam mit zwölf anderen Frauen: "Männer gibt es bei uns nur als Klienten", sagt die Direktorin.

Von Carola Frentzen, DPA


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