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Unbekannte Gattung: Schwein gehabt, Schwein gegessen

Das "Riesenpekari" aus der Familie der Nabelschweine galt bis zur seiner kulinarischen Verwertung als Sensation. Erstmals seit zehn Jahren haben Zoologen eine unbekannte Säugetierart entdeckt, aber nicht selbst lebend gesehen.

Der niederländische Naturforscher Marc van Roosmalen hat nach eigenen Angaben in Brasilien eine neue Säugetierart entdeckt - das Riesenpekari aus der Familie der Nabelschweine. Das Wildschwein unterscheide sich in Größe, Verhalten und Fellzeichnung von den bisher bekannten drei Nabelschweinarten, berichtete Naturfilmer und Zoologe Lothar Frenz, der Roosmalen für eine Dokumentation im NDR-Fernsehen (16. Juni, 20.15 Uhr) zum Rio Aripuana begleitet hatte.

Von Eingeborenen verspeist

Das Tier galt bis zur seiner kulinarischen Verwertung als wissenschaftliche Sensation. Der erste Riesenpekari den van Roosmalen und Frenz im Amazonas zu Augen bekamen, sei von Eingeborenen zum Abendessen verarbeitet worden, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom Samstag. Das 40 Kilogramm schwere und fast 1,30 Meter lange Tier habe sich heftig zur Wehr gesetzt, bevor die Siedler es niedergestreckt hätten. Danach sei ihm das Fell abgezogen worden. Es endete dem Bericht zufolge abends über dem Feuer. Die beiden Biologen haben jedoch nach Aussage von Frenz nichts von dem Schwein gegessen.

Der ehemalige Kurator des Frankfurter Senckenberg-Museums, Dieter Kock, sagte, es sei durchaus möglich, heute noch neue Säugetierarten zu entdecken. "Auch in Südostasien sind in den letzten Jahren Großsäuger gefunden worden." Am besten wäre es, wenn ein Exemplar in eine wissenschaftliche Sammlung zur Untersuchung kommen könnte.

Die Entdeckung eines noch unbekannten landlebenden Großsäugers ist sehr selten und kommt einer Sensation gleich. In Vietnam, genauer in Vu Quang, wurde zuletzt vor gut einem Jahrzehnt eine neue Säugetierart entdeckt - ein ziegenähnliches Tier mit langen Hörnern, das Vu-Quang-Rind (Pseudoryx nghetinhensis). Heute sind solche Funde nur noch in wenigen Ländern dieser Erde denkbar.

Typische Drüse auf dem Rücken weniger stark ausgeprägt

Das Riesenpekari bewegt sich im Gegensatz zu den anderen Arten leise durch den Wald. Das Fell ist weniger dicht als bei Halsband- und Weißbartpekari. Es fehlen der weiße Bart oder ein deutlich erkennbares weißes Halsband. Die für Nabelschweine typische Drüse auf dem Rücken, die ein streng riechendes Sekret absondert, soll weniger stark ausgeprägt sein. Zuletzt war 1974 das bis zu 1,20 Meter große Gran Chaco Pekari in Nordargentinien entdeckt worden, die beiden anderen Arten sind deutlich kleiner. Frenz kündigte an, dass Proben eines erlegten Riesenpekaris genetisch untersucht werden sollen.

In der Dokumentation zeigt der Filmemacher den in Manaus (Brasilien) lebenden Roosmalen als einen Forscher, der wegen seines Einsatzes für die Umwelt immer wieder Probleme mit den Behörden bekommen hat. In den vergangenen acht Jahren habe Roosmalen mehrere neue Affen-, Vögel- und Pflanzenarten entdeckt.

DPA/AP / AP / DPA
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