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Widerstand gegen Castortransport: Tränen, Angst und Gummibärchen

Der Castortransport hat Gorleben fast erreicht, der Protest ist vorbei. Die letzte Blockade wurde teils mit heftiger Gewalt von der Polizei aufgelöst. Für Juliane und ihre Kollegen ein harter Einsatz.

Von Manuela Pfohl, Gorleben

Tränen, Schreie, Angst. Polizisten, die Castorgegner packen und im hohen Bogen von der Straße werfen. Verdrehte Finger, Prellungen, Zwangsgriffe direkt in die Augen. Juliane Frenz fällt es schwer, ruhig zusehen zu müssen, wie ruppig am frühen Montagabend die Blockade der Castorstrecke vor Gorleben geräumt wird. Doch das lässt sie sich nicht anmerken. Ein Mädchen, das plötzlich vollkommen aufgelöst ist und weint, muss in den Arm genommen und getröstet werden.

Juliane ist von "X-tausendmal quer", den Organisatoren der Blockade, als emotionale Betreuerin für die Aktivisten eingesetzt. Sie gehört zusammen mit ihren Kollegen zu den sogenannten "Gelben". Ihr Job: Da sein für die Protestler. Aufbauen, Mut machen. Beruhigen. Das ganze Wochenende über hat sich die 23-Jährige um die Jungs und Mädels gekümmert, die auf der Straße oder den Schienen saßen, um den Castortransport zu blockieren. Fast immer war es friedlich. Dass es bei der traditionell größten und stets gewaltfreien Straßenblockade von "X-tausendmal quer" am Ende doch Ärger gibt, mit etlichen Verletzungen, Zerrungen, einem Rippenbruchverdacht und mindestens zwei Bänderrissen, ist nicht abzusehen, als der Einsatzleiter der Polizei um 15.50 Uhr die Räumung der Blockade anordnet.

"Hier, nehmt mal ein paar Gummibärchen"

Kurz darauf schwirren Codeworte über die blockierte Straße. "Grashalm", ruft ein Mädchen im dicken bunten Strickpulli. Andere stimmen ein: "Nudel, Jägermeister. Titanic." Strategieplanung der Blockierer, die mindestens so geheimnisvoll klingt, wie die Ansagen der Polizisten, die über Funk weitergeleitet werden. Links und rechts der Castortransportstrecke sind Polizisten aufgezogen. Mann an Mann. Dazwischen sitzen rund 1600 Atomkraftgegner, die seit mehr als 24 Stunden die Straße vor Gorleben blockieren. Und über allem kreisen Hubschrauber. Für Juliane Frenz die schwierigste Zeit. Denn so kurz vor dem direkten Kontakt mit der Polizei und der drohenden Räumung kochen erfahrungsgemäß die Emotionen hoch.

Zusammen mit ihren vier Kollegen ist sie immer dann da, wenn jemand bei den Protestlern mit den Nerven am Ende ist, was gar nicht so selten vorkommt. Wasserwerfereinsatz, Schlagstöcke, Räumpanzer, die auffahren, und Beamte in Sturmausrüstung machen gerade unerfahrenen Demonstranten oft Angst", weiß Juliane. Und Angst sei ein häufiger Auslöser für Gewalt. Genau das, was hier keiner gebrauchen könne. Auch jetzt schauen einige der eben noch ganz straighten Blockierer etwas unsicher aus. "Hier, nehmt mal ein paar Gummibärchen", meint Julianes Kollege Michael Zerkübel aufmunternd zu einem Trupp, der plötzlich sehr still auf der Straße hockt. "Das lockert auf, lenkt die Gedanken ab."

"Du kannst sehen, wie die Leute verunsichert werden"

Seelsorge, die auch Armin Reinhold betreibt. Er arbeitet seit 2001 als Konfliktmanager bei der Polizei und macht eigentlich genau dasselbe wie Juliane. Nur, dass er am Gürtel eine Waffe stecken hat, wie jeder andere Polizist auch, der während des Castortransportes hier im Wendland im Einsatz ist. Sein Job: Die Beamten betreuen - aber auch das Gespräch mit den Blockierern suchen. "Ich bin sozusagen in einer Zwitterfunktion", grinst er. Im Dämmerlicht des Waldes läuft er wie Juliane immer wieder an der Blockade entlang. Blickt in die Gesichter, lächelt. Versucht, ins Gespräch zu kommen. Über den Kontakt soll Transparenz entstehen, die im besten Fall bei den Blockierern zu der Erkenntnis führt, dass der Beamte auf der anderen Seite "auch nur ein Mensch ist". Deeskalation, die dieses Mal allerdings nicht gelingen will, wie man später sehen kann.

Über einen Lautsprecherwagen ist Musik zu hören, die meisten sind entspannt. Kurz vor 17 Uhr ist die Straße schon zum Großteil geräumt. Bislang ist alles ruhig geblieben, der Wasserwerfer, der bereit stand, kam nicht zum Einsatz. Für die Seelsorger ein optimaler Protestverlauf. Doch dann beginnt der Zoff. Am zweiten Teil der Blockade räumen die Polizisten mit wenig Gefühl. Schmerzensschreie sind zu hören und lautstarker Protest. "Der Moment, in dem du sehen kannst, wie die Leute verunsichert werden. Sie wollen durchhalten, haben aber auch zunehmend Bedenken, dass sie der Konfrontation gewachsen sind", weiß Michael Zerkübel.

Er hat selber einschlägige Erfahrungen gemacht, vor Jahren als Demonstrant in Ahaus. "Ich hab damals von der Polizei ordentlich Prügel bekommen und konnte noch Tage danach nicht die Gedanken daran loswerden", erzählt der 47-jährige Suchttherapeut. Hassgefühle und Rachefantasien, die ihm Angst machten, weil er als Christ eigentlich gegen jede Gewalt ist. "Wäre gut gewesen, wenn ich damals jemanden gehabt hätte, mit dem ich hätte darüber reden können."

"Viele Kollegen glauben, sie müssten immer stark sein"

Probleme, die die Gewerkschaft der Polizei seit Jahren kennt. Immer wieder hört sie von Kollegen, die nach harten Einsätzen emotional schwer angeschlagen sind und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Die Geschichte eines Beamten, der nach einer Krisensituation so fertig war, dass er sich mit seiner Dienstwaffe das Leben nahm, ist symbolisch für die Überlastung. Die Gewerkschafter fordern deshalb immer wieder nicht nur kürzere Einsatzzeiten, sondern auch eine bessere emotionale Unterstützung für die Beamten. Armin Reinhold bestätigt, dass Eskalationen auf Seiten der Beamten manchmal auch etwas mit Unsicherheit oder Angst vor der bevorstehenden Situation zu tun haben.

Sanitäter ist stinkasuer

Kurz vor 18 Uhr liegt die Castortransportstrecke vor Gorleben frei. Die Blockierer haben sich an den Versorgungsstützpunkt neben der Straße zurückgezogen. Rund ums Lagerfeuer werden die Erlebnisse der vergangenen Tage ausgetauscht und auch die eine oder andere Heldengeschichte. Über den Lautsprecherwagen hören sie, dass der Castorkonvoi demnächst an ihnen vorbei rollen wird. Letzte Etappe vor dem Zwischenlager und Ende des diesjährigen Castorprotestes.

Juliane Frenz und ihr Kollege Michael Zerkübel können ihre Sachen allerdings noch nicht packen. Dirk Mankowski-Duncker, der Rettungssanitäterausbilder ist und von "X-tausendmal quer" als Sanitäter bei den Protesten eingesetzt war, ist gerade von seinem Einsatz am anderen Ende der Straße zurück und stinkesauer. Noch gibt es nicht alle Rückmeldungen von den anderen Sanitätern. Doch schon jetzt sei klar, dass es hier "übel zugegangen" ist. Gerade musste ein Blockierer mit einem Krankenwagen abtransportiert werden. Mehrere hundert Castorgegner sind noch im Wald an der Strecke. Manche wollen bleiben, andere kommen wegen der vielen Polizeisperren einfach nicht weg. Die Nerven bei vielen blank. Juliane wird sich um sie kümmern.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(