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Verhaltensforschung: Tauben mit Elefantengedächtnis

Die Gedächtnisleistung von Tauben und Pavianen ist erstaunlich ähnlich: Beide Tierarten konnten sich in einem Versuch hunderte verschiedene Bilder über Jahre merken. Und das, obwohl sie 250 Millionen Jahre Evolution trennen.

Joël Fagot von der Mittelmeer- Universität in Marseille (Frankreich) und Robert Cook von der Tufts- Universität in Medford (US-Staat Massachusetts) untersuchten das Langzeitgedächtnis dieser Tiere mehr als drei Jahre lang. Die Forscher veröffentlichen ihre Ergebnisse nun in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften ("PNAS"; Online- Vorabveröffentlichung).

Fagot und Cook zeigten zwei Pavianen (Papio papio) und zwei Tauben (Columba livia) verschiedene Farbbilder. Bei jedem Bild leuchtete eine Markierung rechts oder links davon auf. Wenn den Tieren die Bilder später erneut gezeigt wurden, mussten sie "antworten", indem sie mit einem Hebel oder durch Picken mit dem Schnabel die Markierung auf der richtigen Seite aussuchten.

Affen und Vögel zögerten, wenn sie nicht ganz sicher waren

Trotz der kleinen Zahl an Versuchstieren waren die Ergebnisse sehr eindeutig: Die Tauben merkten sich 800 bis 1200 verschiedene Bilder, ehe ihr Gedächtnis an seine Grenzen stieß. Bei den Pavianen waren es noch deutlich mehr. Nach mehr als drei Jahren hatten sie zwischen 3500 und 5000 Bilder gespeichert. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Paviane sich noch tausende weitere Bilder und dazugehörige Markierungen hätten merken könnten, hätten sie die Studie fortgeführt.

Das Erinnern und Vergessen lief bei Affen und Vögeln überraschenderweise gleich ab, berichten die Forscher. So zögerten etwa beide Tierarten, wenn sie sich an die korrekte Markierung nicht erinnern konnten, anstatt gleich eine falsche Antwort zu geben. Beide merkten sich am besten jene Bilder, die sie am Anfang des Versuchs gelernt hatten und entsprechend schon lange kannten, und solche, die kürzlich gezeigt worden waren.

Das bedeute, dass 250 Millionen Jahre getrennter Entwicklung von Vögeln und Säugetieren lediglich das Ausmaß des Gedächtnisses verändert haben, nicht aber seine Funktionsweise, vermuten Fagot und Cook. Ein erweitertes Gedächtnis könne demnach auch der Ursprung der menschlichen Intelligenz sein. (Fachartikel-Identifikationsnummer: DOI: 10.1073/pnas.0605184103)

DPA / DPA
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