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Virus: Vogelgrippe, ein uralter Begleiter

Die Vogelgrippe wurde bereits 1878 in Italien beobachtet. Epidemien entstanden mehrmals, weil unter Wildvögeln verbreitete, harmlose Viren auf Hausgeflügel übertragen wurden und dort zu gefährlichen Viren mutierten.

In andere Länder wurde sie dann oft über Geflügeltransporte eingeschleppt. Bei klinisch gesunden Wildvögeln, die auch einen Vogelzug überstehen, sei das Virus bisher nicht entdeckt worden, sagt die Leiterin des Nationalen Referenzlabors für Vogelgrippe, Ortrud Werner. Es ist am Friedrich- Loeffler-Institut auf der Insel Riems angesiedelt.

Erst beim Übergang auf Zuchtgeflügel mutiert das Virus

Der bislang letzte große Vogelgrippe-Ausbruch in Europa, die Epidemie 2003 in den Niederlanden, wurde nach Aussage der Riemser Experten durch Wildvögel ausgelöst, die eine schwach pathogene Variante des H7-Virus in sich trugen. Erst beim Artenwechsel auf das Hausgeflügel sei das Virus in die für Vögel gefährliche Variante H7N7 mutiert, erläutert Timm Harder vom Referenzlabor. An der Vogelgrippe in den Niederlanden verendeten rund 30 Millionen Tiere. Von dort wurde die Vogelgrippe über Geflügelimporte nach Nordrhein-Westfalen eingeschleppt.

Dass Wildvögel schwach pathogene Vogelgrippe-Varianten in sich tragen, sei nicht ungewöhnlich. Bei einer Untersuchung von 4200 deutschen Wildvögeln in den Jahren 2003 und 2004 hatten die Riemser Forscher 21 verschiedene Influenzaviren entdeckt. An der Nord- und Ostseeküste wiesen sie bei Wildenten sogar schwach pathogene Varianten des Subtyps H5 und H7 nach.

Wirt und Virus koexistieren

Wirt (Wildvogel) und Virus leben dabei in einer Art "Gentleman Agreement", erklärt Harder: Die Viren können sich im Wirt vermehren und werden ausgeschieden, so dass sie sich weiter verbreiten können. Im Gegenzug mache das Virus den Wirt nicht krank. Erst bei einem Artenwechsel von Wild- auf Hausgeflügel breche dieses Gleichgewicht auf, und das Virus könne zu einer stark pathogenen Variante mutieren. Dieser Übertragungsweg konnte auch 1999 bei der Vogelgrippe in Italien (H7N1 - 14 Millionen tote Tiere) und 2004 in Kanada (H7N3 - 20 bis 25 Millionen tote Tiere) nachgewiesen werden. Welche molekularen Faktoren genau zur Mutation führten, sei noch unklar.

Ausgangspunkt der Vogelgrippe 2005 ist ebenfalls ein schwachpathogenes Urvirus des H5-Subtyps. Dieses Virus ist laut Harder bereits 1996 in Südostasien zu einer starkpathogenen Variante (H5N1) beim Artenwechsel auf Hausgeflügel mutiert. Danach hat sich das Virus bis heute in der Hausgeflügelpopulation Südostasiens ausgebreitet. Wahrscheinlich wurde es vor allem durch den Geflügelhandel weitergegeben. Neu an der H5N1-Vogelgrippe sei, dass sich erstmals Wildvogelpopulationen über Hausgeflügel infiziert haben und im größeren Umfang daran erkrankt und verendet sind.

"2005 hat das Virus erstmals nachweislich zu einem Massensterben bei Zugvögeln geführt", betont Werner. "Seitdem muss man die Möglichkeit einer Übertragung durch Zugvögel in Betracht ziehen. Sie ist aber gering, weil bisher bei zugfähigen Tieren das Virus noch nicht nachgewiesen wurde."

Martina Rathke/DPA

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