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Walfang im Eismeer: Szenen einer dramatischen Jagd

Im November lief die japanische Walfangflotte Richtung Antarktis aus. Zwei Umweltschutz-Organisationen und die Flotte lieferten sich dort eine dramatische Jagd. Was das für die Wale bedeutet - und warum Greenpeace jetzt auf die japanischen Medien setzt.

Von Nina Bublitz

Am 18. November brach die japanische Walfangflotte ins Südpolarmeer auf. Greenpeace wartete schon auf sie. Die Esperanza, ein Schiff der Umweltschutzorganisation, hielt sich in internationalen Gewässern auf. Das Ziel: Die Walfänger möglichst schnell unter Beobachtung zu nehmen und von ihrer Arbeit abzuhalten. Es folgten mehr als zwei Monate, in denen die Schiffe einander verfolgten. Nun musste Greenpeace abdrehen.

14 Tage lang verfolgten die Umweltschützer die Walfänger unter Volldampf. Und während die Japaner ein eigenes Versorgungsschiff haben, bei dem sie auftanken können, ging der Esperanza der Sprit aus. Er reicht nur noch, um einen Hafen in Tasmanien anzulaufen. Diese nächste "Tankstelle" liegt mehr als eine Woche entfernt. Danach wird das Schiff wohl nicht in die Fanggebiete zurückkehren. Denn die Walfangsaison der Japaner ist demnächst vorbei, weil die Gewässer bald wieder von dichterem Eis bedeckt sein werden. Zudem müssten die Greenpeace-Aktivisten die Flotte erst einmal wiederfinden. Kein leichtes Unterfangen auf hoher See, in einem riesigen Fanggebiet am Rande der Eisküste. "Das Gebiet ist riesengroß - selbst wenn man weiß, dass man in der Nähe der Eiskante sucht, bleiben über 1000 Kilometer. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sich zu verstecken oder Verfolger abzuschütteln", erklärt Greenpeace-Sprecher Björn Jettka.

Trotz des vorzeitigen Endes wertet Greenpeace den diesjährigen Einsatz als Erfolg: "14 Tage wurden keine Wale gejagt", fasst es Regine Frerichs von Bord der Esperanza aus zusammen. Für die Aktivistin, die in einem Blog über ihre Erlebnisse berichtet, war es der dritte Einsatz in den Gewässern um die Antarktis. Ein Einsatz, bei dem sich auch zwei weitere Parteien einschalteten: Die Oceanic Viking, ein Schiff der australischen Regierung, beobachtete das Treiben auf See. Und die Steve Irwin, ein Boot der Umweltorganisation Sea Shepherd heftete sich ebenfalls an die Fangflotte. Zwei Aktivisten der von Ex-Greenpeace-Mitarbeiter Paul Watson gegründeten Gruppe, machten Mitte Januar von sich reden: Sie enterten das japanische Fangschiff "Yushin Maru 2, um eine Petition gegen den Walfang zu übergeben - und wurden erst einmal festgesetzt. Mehr als zwei Tage vergingen, in denen sich Japaner und Aktivisten nicht einigen konnten, wie die Männer wieder auf ihr Schiff zurückkehren. Die australische Regierung vermittelte schließlich, die beiden gingen an Bord der Oceanic Viking. Weitab von der Flotte, das war eine Bedingung, übergaben die Australier die zwei Umweltaktivisten wieder an die Steve Irwin. Sea Shepherd verlor dabei den Anschluss an die Walfangflotte. "Das war kein schlauer Schachzug", kommentiert Frerichs.

Dasselbe Ziel, keine Kooperation

Die zwei Umweltorganisationen verfolgen dasselbe Ziel: Den Walfang zu stoppen. Zusammen arbeiten tun sie dennoch nicht. So gab Greenpeace die Koordinaten der Flotte nicht an Sea Shepherd weiter. "Greenpeace schützt Walfänger" stand kurz darauf auf der Webseite von Sea Shepherd. "Greenpeace ist gewaltfrei, Sea Shepherd lehnt Gewalt nicht in jeder Konsequenz ab - daher können wir nicht zusammen arbeiten", erklärt Jettka. Regine Frerichs, die eins der Greenpeace-Schlauchboote steuert, bedauert, dass keine Kooperation möglich scheint. "Es ist ein Jammer", sagt sie. Doch die Methoden von Watsons' Organisation schaden ihrer Erklärung nach mehr, als sie nutzen. "Die japanische Regierung kann jetzt sagen: Das sind Piraten, Terroristen. Und auf deren Forderungen geht man nicht ein. Damit liefert er den Konservativen, die die Waljagd unterstützen, Argumente."

Gestoppt werden kann der Walfang letztendlich weder von Greenpeace noch von Sea Shepherd - sondern von der japanischen Regierung. Und hier gibt es Anlass zur Hoffnung. "Die Berichterstattung in Japan hat sich verändert. Noch nicht um 180 Grad - aber um 120", erzählt Pressesprecher Jettka. "Während wir früher nur die 'Terroristen auf See' waren, wird heute ausgewogen berichtet. Also zum Beispiel auch darüber, dass weniger Walfleisch gegessen und es sogar zu Tierfutter verarbeitet wird."

Und was passiert jetzt noch im Südpolarmeer? Die Steve Irwin wird auch bald abdrehen, ihr Treibstoff geht ebenfalls zur Neige. Sie hat zudem kaum Chancen, die Walfänger wiederzufinden, denn sie hat inzwischen selbst einen Verfolger. Ein japanisches Schiff, welches die Koordinaten der Aktivisten ständig an die Flotte funkt - so können die Walfänger bequem ausweichen. Es bleibt also die japanische Flotte - und die australische Oceanic Viking. Welchen Einfluss sie auf den Fortgang der Jagd hat, weiß man nicht. Dass sie allerdings beachtet werden, hat Regine Frerichs direkt erlebt. Bei einem Einsatz im Schlauchboot, bei dem die Boote der Aktivisten von allen Schiffen aus Wasserwerfern und Feuerlöschschläuchen beschossen wurden. Bis ganz plötzlich Ruhe einkehrte. Das australische Zollschiff war auf der Bildfläche erschienen - und "die Japaner benahmen sich plötzlich", sagt Frerichs. "Man merkte, dass ihnen klar war, dass sie etwas Falsches getan hat."