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Weltklima: Treibhausgas-Konzentration auf Rekordniveau

Vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen erhöht die UN-Wetterbehörde den Druck auf die Politik. Ihren Angaben zufolge war der Gehalt von Treibhausgasen in der Atmosphäre noch nie so hoch wie jetzt. Unterdessen scheinen die USA nun doch bereit zu sein, eine Zielvorgabe für den Kohlendioxid-Ausstoß zu akzeptieren.

Der Gehalt von Treibhausgasen in der Atmosphäre ist nach Angaben der UN-Wetterbehörde (WMO) so hoch wie nie zuvor - und steigt weiter. Damit könnten die pessimistischsten Szenarien zum weltweiten Temperaturanstieg wahr werden, warnte WMO-Chef Michel Jarraud. Die Ergebnisse zeigten, dass umgehend Maßnahmen ergriffen werden müssten. Ab dem 7. Dezember treffen sich Staats- und Regierungschefs aus aller Welt in Kopenhagen, um über Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasen zu verhandeln. Dort sollen Insidern zufolge die USA nun doch bereit sein, eine Zielmarke zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes vorzulegen.

Der Vorschlag zum CO2-Reduktionsziel werde in Übereinstimmung mit dem Gesetzgebungsverfahren in den USA stehen, sagte ein Regierungsvertreter. Präsident Barack Obama wolle zudem in den kommenden Tagen entscheiden, ob er persönlich an der Konferenz im Dezember teilnehmen werde, sagte ein ranghoher Regierungsvertreter. Dutzende Staats- und Regierungschefs haben bereits angekündigt, nach Kopenhagen zu reisen - darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Obama kämpft gegen Vorbehalte im Senat

Ob bei dem Gipfel in der dänischen Hauptstadt ein Durchbruch zu einem Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende und nicht von den USA ratifizierte Kyoto-Klimaschutzprotokoll möglich ist, hängt wesentlich von der Haltung der USA ab. Das hoch industrialisierte Land zählt zu den größten Luftverschmutzern überhaupt.

Obama macht sich für Schritte der USA zur Senkung des Ausstoßes an Treibhausgasen stark, stößt damit aber auf Widerstand im Senat. Mit einer Verabschiedung entsprechender Gesetzespläne wird dort nicht vor dem Jahreswechsel gerechnet. Das Repräsentantenhaus hatte dagegen im Juni mit knapper Mehrheit ein Gesetz beschlossen, das bis 2020 eine Emissionssenkung von 17 Prozent im Vergleich zu 2005 für Versorger, Raffinerien und Fabriken vorsieht.

Werden schlimmste Befürchtungen Realität?

Wie sehr verbindliche Zielvorgaben für den Schadstoff-Ausstoß nötig sind, machte die UN-Wetterbehörde am Dienstag deutlich. Die Konzentration des klimaschädlichen CO2 sei 2008 etwas schneller angestiegen als während des vergangenen Jahrzehnts, berichtete WMO-Chef Jarraud. Die Menge an Kohlendioxid, Methan und Stickstoff, den Hauptverursachern des Klimawandels, befinde sich auf dem höchsten Niveau seit dem Beginn des Industriezeitalters.

Damit könnten sich nach Ansicht Jarrauds die schlimmsten Befürchtungen zur Klimaerwärmung bewahrheiten. Dazu zählen vor allem der massive Anstieg des Meeresspiegels durch das Abschmelzen des Polareises mit der Überflutung zahlreicher Küstengebiete und -städte, Ernteausfälle, Wasser- und Energieknappheit sowie daraus folgend politische und soziale Probleme. In einem Bericht mehrerer Regierungen hatte es 2007 geheißen, die Temperatur könnte bis zur Jahrhundertwende zwischen 2,4 und 6,4 Grad Celsius steigen. Die acht führenden Industriestaaten (G-8) und andere große Wirtschaftsnationen hatten sich im Juli in Italien darauf geeinigt, den Anstieg auf zwei Grad begrenzen zu wollen.

Reuters/dho / Reuters