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Weltnaturerbe Grube Messel: Versteinerte Schätze auf Tournee

47 Millionen Jahre alt sind die versteinerten Schätze der Grube Messel - die fossilen Schildkröten, Urpferdchen und Vögel sind Relikte aus einer Zeit, als in Deutschland noch Regenwald wucherte. Nun gehen die einzigartigen Exponate auf Tournee.

Tropischer Regenwald mitten in Deutschland: Vor 47 Millionen Jahren lauerten Krokodile an hessischen Flussläufen, und durch die Bäume jagten kleine Äffchen. Jetzt wird diese fantastische Vergangenheit wieder lebendig - in einer Ausstellung im Hessischen Landesmuseum Darmstadt.

Besucher fühlen sich in eine andere Welt versetzt. Vogelstimmen erfüllen den dunklen Raum, meterhohe Leinwände mit Computeranimationen von Farnen, Palmen, Wasserpflanzen, Uferzonen und Baumkronen an den Wänden erzeugen eine einzigartige Stimmung. Und in den Vitrinen sonnen sich Echsen, Schildkröten, Vögel und Fische ebenso in einem besonderen Licht wie Urpferdchen, ein Tapir und ein Ameisenbär. "Wir wollten die damalige Atmosphäre spürbar machen", sagt Norbert Micklich, einer der Ausstellungsmacher vom Hessischen Landesmuseum in Darmstadt.

Urzeit-Falle Messel-See

Die auf Kunstharzplatten gelegten Fossilien stammen aus der Grube Messel, die als einziger Standort in Deutschland zum Weltnaturerbe gehört - in einer Reihe mit dem Yellowstone-Nationalpark, den Galapagos-Inseln oder dem Serengeti-Nationalpark. Die Faszination dieser heutigen Naturparadiese erschließe sich dem heutigen Betrachter noch ganz unmittelbar, sagt der Präsident des hessischen Landesamtes für Denkmalpflege, Gerd Weiß. Weil aber die Flora und Fauna der Grube Messel aus der lange vergangenen Vorzeit des Eozäns stammten, werde es nur durch die Ausstellung möglich, "eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt zu erschließen".

Die uralten Fundstücke sind nach ihrem jeweiligen Lebensraum geordnet. "Da die Fossilien so vollständig und detailgenau erhalten sind, konnten wir sie in ihre Lebensräume zurücksortieren", sagt Micklich. Eine Baumschlange findet sich etwa neben Vögeln, bei denen auch noch Teile der Federn erkennbar sind.

Der Messel-See sei wegen seiner steilen Ufer eine regelrechte Falle gewesen, sagt Micklich. Deshalb sind Bewohner aus allen Lebensräumen des Regenwaldes unter den Fossilien. Darunter auch Säugetiere wie ein Ameisenbär oder das berühmte Messeler Urpferd. Bei der Versteinerung einer trächtigen Fledermaus kann der Besucher unter der Lupe sogar die Zahnreihen des Fötus erkennen. "Die Sauerstoffarmut am Grund des Messel-Sees und das feinkörnige Sediment konservierten die Tierkadaver absolut detailgenau", erklärt Ausstellungsmacherin Gabriele Gruber vom Landesmuseum.

Rettung vor der Müllkippe

Einige der kostbaren Boten aus ferner Vergangenheit gewinnen eine eindrückliche Präsenz, wenn die transparenten Kunststoffplatten von der Rückseite beleuchtet werden. "Die ausgegrabenen Fossilien sind stellenweise von so unglaublicher Qualität, dass ein unbefangener Betrachter den Eindruck gewinnt, er stehe Kunstwerken gegenüber", sagt der hessische Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Volker Hoff, als Schirmherr der Ausstellung.

Unglaublich, dass die Grube Messel Ende der 80er Jahre zu einer Mülldeponie werden sollte. Eine Bürgerinitiative wehrte sich damals massiv gegen diese Pläne und hatte schließlich Erfolg. "Der Welt wäre sehr viel verloren gegangen, wenn wir da damals Müll hineingekippt hätten", sagt Hoff. So aber werden auch heute noch etwa 15 bis 20 Kubikmeter Ölschiefer nach Fossilien durchsucht. "Messel ist noch lange nicht erforscht", sagt Ausstellungsmacher Norbert Micklich.

Auch in anderen deutschen Städten zu sehen

In Darmstadt sind die Schätze der Urzeit bis zum 30. September zu sehen. Später kommt sie in große naturhistorische Museen Deutschlands, der Niederlanden und der USA. In Deutschland stehen Hannover (November 2008 bis März 2009), Stuttgart (März 2009 bis August 2009) und Münster (März 2010 bis Februar 2011) auf dem Programm.

AP/DPA / AP / DPA