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Wetter: Frühling im Winter

Vogelgesang und erste Blüten: Der Winter blieb bislang aus, der Frühling setzt schon ein. Was auf den ersten Blick angenehm erscheint, ist für die Natur ein echtes Problem.

Bisher blieb der Winter weitgehend aus – nach Ansicht des Bundes Naturschutz in Bayern (BN) ein alarmierendes Zeichen für den fortschreitenden Klimawandel. Viele Igel hätten ihre Winterquartiere bereits verlassen und Frösche sowie andere Amphibien bereits im Januar mit ihrer Wanderung begonnen, berichtet der BN-Vorsitzende Hubert Weiger. Wenn nicht massive Anstrengungen für mehr Natur- und Klimaschutz unternommen würden, drohe die Natur weiter aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Tatsächlich sei der Winter eindeutig zu mild gewesen, bestätigt Meteorologe Gerhard Müller-Westermeier vom Deutschen Wetterdienst. "Der Dezember war nur 0,8°C wärmer als gewöhnlich, der Januar dagegen bisher deutlich zu warm: Die Durchschnittstemperatur lag im Januar bisher bei 3,7 Grad, normal liegt sie bei minus 0,5 Grad." Das passt zum Trend: Vier von sechs Hitzerekordjahren seit Beginn der Wetteraufzeichnung lagen im neuen Jahrtausend.

Tier- und Pflanzenarten werden aussterben

Durch Temperaturanstieg und Klimawandel würden fein abgestimmte Funktionszusammenhänge etwa zwischen Blüten und Insekten aus den Fugen geraten, erklärt Naturschützer Weiger. Nach Expertenschätzungen könnte das in Deutschland in den kommenden Jahrzehnten zu einem Verlust von 5 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten führen.

"Die Fichten leiden besonders, weil der Borkenkäfer durch den Klimawandel begünstigt wird", sagt Weiger. Die Fehler der Vergangenheit mit vielen Fichten-Monokulturen müssten deshalb korrigiert und mehr Mischwälder mit dem bewährten Dreiklang von Fichte, Tanne, Buche" angelegt werden. In den fränkischen Eichenwäldern habe der Eichenprozessionsspinner – ein Schmetterling, dessen Raupen als Baumschädlinge gelten – lange nur ein Randdasein geführt, nun aber begünstige der Klimawandel seine Ausbreitung. Auch die Kiebitze seien aus dem Winterquartier zurückgekehrt. Amseln und Buchfink sängen bereits, und viele Pflanzen wie Haselstrauch, Schlüsselblumen und Seidelbast öffneten erste Blüten – in diesem Jahr um Wochen zu früh.

Den Winter noch nicht ganz abschreiben

Die Naturschützer forderten deutlich mehr Geld für die Revitalisierung von Wäldern, Auen und Mooren in Bayern. Vom Klimawandel sei der empfindliche Lebensraum der Alpen besonders betroffen, betonte BN-Expertin Christine Margraf. Der allmähliche Temperaturanstieg ermögliche es Arten, die es wärmer mögen, sich in höhere Gegenden auszubreiten. Damit träten sie in Konkurrenz zu den bisher dort angesiedelten Arten um den Lebensraum.

Ob der Winter dieses Jahr komplett ausfalle, sei noch unklar. Meteorologe Müller-Westermeier: "Natürlich kann es noch kalt werden – es gab schon Jahre, in denen der März der kälteste Monat des Jahres war."

bub/DPA / DPA