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Schwebebahn: Stoiber bekommt den Transrapid

Es ist wie ein Abschiedsgeschenk für den scheidenden Regierungschef Edmund Stoiber: Die bayerische Staatsregierung hat sich mit der Bahn und dem Industriekonsortium auf den Bau des Transrapid geeinigt. In Zukunft soll die Magnetschwebebahn zwischen Münchner Innenstadt und Flughafen pendeln.

Der Transrapid vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen wird gebaut. Der Freistaat Bayern, die Deutsche Bahn und die Industrie haben sich auf die Schließung der zuletzt noch bestehenden Finanzlücke bei dem 1,85 Milliarden Euro teuren Projekt geeinigt, teilte die bayerische Staatskanzlei mit. Dazu hatten sich Ministerpräsident Edmund Stoiber und die Führungen von ThyssenKrupp, Siemens und des Baukonsortiums zu einem Spitzengespräch getroffen. Die Magnetschwebebahn soll künftig auf dem Weg vom Münchner Flughafen zur Innenstadt eingesetzt werden.

Bund Naturschutz will Rechnungshof einschalten

Der Bund Naturschutz (BN) in Bayern fordert nun die Einschaltung des Bundesrechnungshofs. Der Transrapid sei ein milliardenteures Abschiedsgeschenk auf Kosten von Steuerzahlern und Bahnkunden für den scheidenden Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU), sagte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger am Dienstag. Der Bundesrechnungshof müsse das noch vor Abschluss der endgültigen Verträge in einem Gutachten bewerten, damit die Abgeordneten in Bundestag und Landtag sich ein objektives Bild machen könnten.

Die veranschlagten Kosten von 1,85 Milliarden Euro beruhten auf vier Jahre alten Schätzungen, sagte Weiger. Inzwischen seien die Kosten deutlich gestiegen. "Die Finanzierungslücke liegt mindestens in einer Größenordnung von 300 bis 500 Millionen Euro", sagte Weiger. "Wir werden im ganzen Land die Steuerzahler und die Bahnkunden mobilisieren. Es ist himmelschreiend, wie hier das Geld zum Fenster hinausgeschmissen wird." Der BN kündigte an, nach dem Planfeststellungsbeschluss werde er eine Klage gegen das Projekt anstreben.

Andere Strecken wurden verworfen

Die Magnetschwebebahn Transrapid gilt seit vielen Jahren als Verkehrsmittel der Zukunft. Bisher gibt es jedoch nur eine gut 30 Kilometer lange kommerzielle Strecke zum Flughafen von Shanghai in China. In Deutschland waren in der Vergangenheit mehrere Trassen im Gespräch, darunter eine Strecke durchs Ruhrgebiet und eine Verbindung Hamburg-Berlin. Alle wurden verworfen.

Seit dem Unfall von Lathen ruht der Betrieb

Die Magnetschwebebahn hat keine Räder, Achsen und Oberleitungen. Ein Transrapid schwebt dank seines elektromagnetischen Trage-, Führ- und Antriebssystems. Das Prinzip des elektromagnetischen Schwebens beruht auf den anziehenden Kräften zwischen den im Fahrzeug angeordneten Elektromagneten und den so genannten Reaktionsschienen, die beidseitig unter dem Fahrweg angebracht sind. Magnete halten das Fahrzeug auch in der Spur.

Seit Anfang der 1980er Jahre wird der von einem deutschen Konsortium entwickelte Transrapid in Niedersachsen auf einer Versuchsstrecke im emsländischen Lathen getestet. Dort ereignete sich vor einem Jahr ein verheerender Unfall, bei dem 23 Menschen ums Leben kamen. Seither ruht der Betrieb. Für das Nachfolgemodell des verunglückten Zugs gibt es bislang keine Betriebsgenehmigung.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters