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Abstimmung in München: Passagierrekord erhöht die Chancen für Flughafenausbau

Am Sonntag stimmen Münchner Bürger über den möglichen Bau einer dritten Start- und Landebahn auf dem Münchner Flughafen ab. Die einen beklagen sich über Lärm und Abgase. Die anderen plädieren für Wachstum. Es geht auch um zahlreiche Arbeitsplätze.

Flughafenausbau München: So kämpfen Anwohner gegen die dritte Startbahn

Der Flughafen München wirbt mit einem neuen Passagierrekord für Zustimmung zum umstrittenen Bau einer dritten Start- und Landebahn. Sollten die Gegner des Vorhabens am Sonntag beim Bürgerentscheid triumphieren, drohe die bayerische Wirtschaft Schaden zu nehmen, warnte Flughafen-Chef Michael Kerkloh am Mittwoch in München. In den ersten Jahre wären die Auswirkungen zwar kaum spürbar. "Wir würden aber die Perspektive verlieren." Es wäre ein Signal, dass Großprojekte auch in Bayern nicht mehr möglich seien. "Der Transrapid war da der erste Warnschuss. Wenn die Münchner jetzt negativ abstimmen, dann ist Projekt lange Zeit auf Eis gelegt."

Mehr als eine Million Wahlberechtigte in der Landeshauptstadt können am Sonntag über den Bau abstimmen. Allerdings müssen die Gegner, um erfolgreich zu sein, neben der Mehrheit auch ein Quorum von zehn Prozent der Stimmberechtigten erfüllen. Die Bewohner des Münchner Umlandes, die am stärksten unter Lärm und Abgasen des Flughafens leiden, dürfen selbst nicht abstimmen. Insofern hoffen die Befürworter auf eine Mehrheit, weil der Flughafen aus ihrer Sicht für die Münchner nur Vorteile hat.

Kerkloh sagte, mit dem Ausbau könne sich München in den nächsten Jahrzehnten einen Teil des Wachstums bei Privat- und Geschäftsreisen sichern und der exportorientierten Wirtschaft dienen. So könne der Anschluss an Deutschlands größten Airport in Frankfurt gehalten und der Lufthansa eine Perspektive geboten werden, die an beiden Drehkreuzen stark vertreten ist. Bis 2020 rechnet München mit 50 Millionen Passagieren, bis 2025 sogar mit 58 Millionen. Dieses Jahr werden knapp 40 Millionen erwartet. Im ersten Halbjahr 2012 dürften über 18,6 Millionen Fluggäste gezählt werden, ein Plus von rund vier Prozent, so Kerkloh.

Steuerzahler soll nicht belastet werden

Schon jetzt operiert der zweitgrößte Airport des Landes in den Stoßzeiten an der Kapazitätsgrenze - Staus am Boden und Warteschleifen in der Luft sind die Folge. Die Fluglinien reagieren darauf mit größeren Maschinen. Außerdem wird der Terminal 2, den die Lufthansa als wichtiges Drehkreuz nach Asien und Amerika nutzt, 2015 um einen Satelliten erweitert, der die Kapazität weiter nach oben hieven soll. "Die Neigung zum Reisen wird weiter steigen", so Kerkloh. Trotz Wirtschaftskrise in vielen europäischen Ländern nehme die Nachfrage zu, auch wenn Lufthansa und Air Berlin derzeit sparen würden und eher ausländische Anbieter in die Lücken vorstießen. München sei in der Vergangenheit meist schneller gewachsen als die größten Konkurrenten in Europa. Die Lufthansa betonte zuletzt, notfalls andere Flughäfen stärker zu nutzen.

MUC-Chef Kerkloh ergänzte, anders als bei sonstigen Großprojekten sei die Finanzierung gesichert und belaste nicht den Steuerzahler. Das Geld in Höhe von vermutlich 1,2 Milliarden Euro komme allein von der Flughafengesellschaft. Der Betrag sei aus den laufenden Einnahmen zu tragen. Der eigentlich Bau der Piste koste in etwa die Hälfte, der Rest sei für Ausgleichszahlungen zugunsten der betroffenen Anwohner rund um Freising und Erding vorgesehen.

Im Falle des Ausbaus werden nach Angaben der Befürworter bis 2015 zusätzlich 11.000 Jobs am Flughafen geschaffen. Derzeit sind es rund 30.000 Arbeitsplätze. Positive Impulse werden zudem für den Wirtschaftsstandort und den Tourismus in der Region erwartet. Die Gegner beklagen primär die Belastungen für die Anwohner der angrenzenden Gemeinden und argumentieren, dass die Zahl der Flugbewegungen rückläufig ist. Anders ausgedrückt: Das höhere Passagieraufkommen sei mit größeren Jets zu bewältigen.

jk/Reuters / Reuters