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Norwegen Sex-Stellungen im Öffentlich-Rechtlichen: Norwegischer Sender will aufklären – und inspirieren

Ein junges Paar liegt gemeinsam im Bett
Ein junges Paar liegt gemeinsam im Bett
© Christophe Gateau/ / Picture Alliance
Expliziter Sex im Fernsehen gilt als Tabu. Der norwegische öffentlich-rechtliche Sender NRK veröffentlichte einen "Sexguide", der zum Beispiel 60 verschiedene Stellungen zeigt. Was steckt dahinter? Und wie kommt es bei den Zuschauern an?

Sex und sexuelle Inhalte kommen in so vielen Medien vor: Film, Videospiele, Serien, Werbung, Musik und natürlich in der Pornoindustrie. "Sex sells" ist ein altbekannter Spruch. Man erinnere sich an "Tutti Frutti". Dennoch sind Nacktheit und Sex in Augen mancher ein Tabu. Erst recht im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Der norwegische Rundfunk NRK hat seit dem 11. Juni den sogenannten "Sexguide" auf seiner Webseite veröffentlicht. Darin zu sehen: Fotos von 60 verschiedenen Sex-Stellungen.

Die Stellungen werden auf Schwarzweiß-Fotos von sowohl homo- als auch heterosexuellen Paaren gezeigt. Die Positionen haben solch interessante Namen wie "Flamingo", "Oralakrobatik" oder "umarmender Koala". Aber auch "Klassiker" wie die Missionarsstellung sind dabei. Die Fotos zeigen dabei keine echten Sexszenen, sondern Menschen, die die Situationen nachstellen, so NRK. Zu den Bildern gibt es Tipps und Tricks sowie Ratschläge für Schwangere. 

"Sexguide" soll aufklären: "Sex ist gesund – er tut uns gut!"

Der Guide diene als Inspiration, schreibt der Sender – man müsse aber nicht alle Stellungen durchnehmen. "Das Wichtigste ist, dass Sie etwas tun, das Ihnen beiden Spaß macht." Und: "Denken Sie daran, dass Sex etwas Schönes sein sollte und dass es wichtig ist, dass beide mit dem einverstanden sind, was sie tun", heißt es im "Sexguide".

Aber warum macht der Sender das? In einem Kommentar der Macher des "Sexguide" heißt es, dass es nur wenig guten und informativen Journalismus über Sex gebe. Und das wollte der Sender ändern. "Denn Sex ist gesund – er tut uns gut! Die meisten Menschen haben eine Beziehung zum Sex, und es ist etwas, mit dem viele manchmal ein bisschen zu kämpfen haben. Sex muss auch gelernt werden, vielleicht mehrmals im Leben, weil wir uns verändern." 

Die Seite mit den Sex-Stellungen im "Sexguide" des NRK
Die Seite mit den Sex-Stellungen im "Sexguide" des NRK
© Screenshot NRK

Es gebe auch andere Probleme, etwa, dass Jugendliche das meiste über Sex aus Pornografie lernen würden, was ein unrealistisches Bild von Sex abgebe, und dies in Leistungsdruck oder falscher Körperwahrnehmung enden könne. Außerdem hätten manche Erwachsene Sex auf eine Art, die sie nicht mögen würden.

Geteilte Meinung zum Sex-Ratgeber

"Als öffentlich-rechtlicher Sender möchte NRK zu einer realistischen und vielfältigen Darstellung von Sex beitragen, die sowohl informieren als auch inspirieren kann." Dazu gehören auch Umfragen, die der Sender führt, sowie Ratgeber zu Beziehungsthemen und Artikel, die Vorurteile abbauen sollen.

Und wie kommt der "Sex-Guide" bei den Zuschauerinnen und Zuschauern an? Die Reaktionen auf einen Facebook-Beitrag dazu zeigen: Sie sind geteilter Meinung. 

"Wichtig bei der Sexualaufklärung! Jeder denkt, dass er von einem 'Video" online lernen kann!!! Falsch falsch falsch ...", schreibt eine Userin. Eine andere kommentiert: "Toll, dass NRK seine öffentliche Informationsrolle ernst nimmt!"

"Die Menschheit hat leider alles verloren, was mit Scham zu tun hat und hat begonnen, sich wie ein Tier zu benehmen", ärgert sich eine andere Userin. Ein anderer Nutzer fragt: "Ist NRK ein Konkurrent der destruktiven Pornoindustrie geworden ???" Eine andere kritisiert: "Warum dreht sich alles um Sex? Wenn ich in Zeitungen lese, steht da, welche Sexstellungen am besten sind. (…) Interessant ??? Nein." 

NRK schreibt dazu in seinem Kommentar: "Einige werden wahrscheinlich denken, dass wir damit auch dazu beitragen, die Gesellschaft sexfixierter zu machen. Aber auch wenn heute viel über Sex geredet wird, zeigen die Umfragen von NRK, dass vielen Menschen gute Informationen zum Thema Sex fehlen." Der Sender wolle, dass es mehr Wissen, größere Offenheit, Sicherheit, Inspiration und neue Gespräche über Sex durch seine Ratgeber gebe. Und das bedeute letztendlich, dass "noch mehr Menschen ein Sexleben haben, das ihnen Spaß macht".

rw

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