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Stars der Biokiste: Die perfekte Küchenkraft

Solche Mitarbeiter erträumen sich Chefs: Selbst unter schlechten Bedingungen bleibt die Pfefferminze genügsam. Für Zuwendung bedankt sich überschwänglich.

Zum Herzerwärmen bescheiden ist die Mentha piperita. Sie wächst in jedem Garten, jedem Balkonkasten, sogar in hoffnungslos zu kleinen Töpfchen auf dem Fensterbrett. Und selbst wenn man eine Weile vergessen hat, sie zu gießen, und ihre Blätter schon welk und schlaff herunterhängen, rappelt sie sich nach einem kalten Wasserbad wieder auf.

So anspruchslos, wie das Kraut gedeiht, gibt es auch seine in der Sonne gesammelten Kräfte her: In Beutel gepackte, getrocknete Blätter der Pfefferminze mit heißem Wasser aufgießen – fertig ist ein Tee, der entspannt und den Magen beruhigt. Schon ein wenig mehr Zuwendung dankt die Pflanze überschwänglich. Marokkaner wissen das zu nutzen. Ihr Minztee ist verdientermaßen Nationalgetränk: einen Esslöffel grünen Tee in einen Liter kochendes Wasser geben; die Teeblätter in einem Sieb auffangen und dann mit einem Bund frischer Minze, einem Teelöffel Anissaat und etwas braunem Zucker in eine Kanne geben. Die Zutaten mit einem Liter kochendem Wasser aufgießen, drei Minuten ziehen lassen. Einige Minzblätter in Gläser legen und den Tee durch ein Sieb hinzugießen.

In der Küche lässt sich Minze als Gewürz einsetzen, zu mediterranen oder indischen Gerichten. Das Menthol schließlich, das aus ihren Blättern und Stängeln gewonnen wird, hilft bei einer Vielzahl von Beschwerden von A wie Atemwege bis Z wie Zahnfleischbluten. Wir sind, Erkältungssalben, Körperlotionen, Badeölen und Sauna-Aufgüssen sei Dank, auf die Wirkung dieses Lippenblütengewächses konditioniert wie auf kaum ein anderes Kraut. Den meisten genügt schon der Gedanke an den typischen Duft, um sich erfrischt zu fühlen.

Wenn kühle Gedanken nicht helfen, zum Beispiel bei Kopfschmerzen, können ein paar Tropfen Pfefferminzöl, auf die Schläfen getupft, Wunder wirken. Dazu die schöne Anekdote, die der Gelehrte Plinius aus dem ersten Jahrhundert nach Christus berichtet: Bei Saufgelagen banden die Römer sich Kränze aus Minze um die Köpfe. Sie hofften, der vorbeugende Einsatz des Krauts würde dem Kater vorbeugen.

Anja Haegele / print
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