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Immer öfter entscheidet ein Assessment Center darüber, wer ins Unternehmen kommt

Immer öfter entscheidet ein Assessment Center darüber, wer ins Unternehmen kommt

Am Anfang der Karriereleiter steht nicht das »K«, sondern das »P« - »P« wie Personalauswahlverfahren. Das Verfassen eines pulitzerpreisverdächtigen Anschreibens, das liebevolle Heraussuchen eines fleckenfreien Kuverts - all das kann zumindest nicht ganz falsch gewesen sein, wenn sich ein Schreiben des potenziellen späteren Arbeitgebers im Briefkasten befindet. Noch vor einiger Zeit konnte man sich darauf einstellen, dann lediglich eine Feuerprobe durchstehen zu müssen - das Vorstellungsgespräch, den Evergreen unter den Personalausleseverfahren. Gerade bei der Besetzung wichtiger Positionen wollen die Unternehmen heute jedoch genauer wissen, wen sie in Zukunft beschäftigen.

Seit den 70er Jahren erfreut sich auch in Deutschland ein Verfahren zunehmender Beliebtheit, das Licht in die toten Winkel des Vorstellungsgespräches zu bringen versucht. Das von Organisationspsychologen oder Unternehmensberatern ausgearbeitete Assessment Center (AC) ist insbesondere bei größeren Unternehmen mittlerweile Standard. BMW & Co. können sich die relativ kostspielige Prozedur leisten, wenn es um Positionen geht, die einen entsprechenden Wert für die Organisation darstellen. »Hintergrund des Verfahrens ist das Prinzip der Simulation«, so Dr. Uwe Kanning, Psychologe an der Uni Münster. »Es geht darum, Verhalten nicht nur zu erfragen, sondern in realistischen Situationen zu beobachten«. Merkmale wie beispielsweise das Sozialverhalten, Aspekte der Rhetorik, Teamfähigkeit und Konfliktverhalten können nicht aus den Bewerbungsunterlagen oder durch ein Gespräch erschlossen werden.

Die Bewerber werden in Gruppen verschiedenen Tests unterzogen: Gruppendiskussionen, Textpräsentationen und Rollenspiele können Elemente eines Assessment Centers sein. Ein Moderator begleitet den Prozess, während die Bewerber von Beobachtern in Bezug auf die relevanten Merkmale beurteilt werden.

Wenn das Assessment Center sachgemäß geplant und durchgeführt wird - »was sicherlich nicht oft der Fall ist«, wie Dr. Uwe Kanning bemerkt - beruhen diese Merkmale und die Auswahl der zu bewältigenden Aufgaben auf einer zuvor ausgearbeiteten Anforderungsanalyse für die zu besetzende Stelle. Gesucht wird der Bewerber, dessen Verhalten in den Testsituationen am besten mit dem Anforderungsprofil übereinstimmt.

Ein professionell konzipiertes Assessment Center gehört momentan zu den besten Instrumenten, die im Bereich der Einstellungsverfahren zur Verfügung stehen. Ist es möglich, sich auf das Assessment Center vorzubereiten? »Auf dem Markt werden entsprechende Kurse angeboten, die jedoch mitunter viel Geld kosten. Die Vorbereitung allein ist jedoch schwierig, da die meisten Übungen im AC gemeinsam mit anderen Bewerbern stattfinden«, meint der Psychologe. »Theoretische Auseinandersetzungen, beispielsweise mit Ratgeberliteratur, mögen bedingt helfen, um überhaupt zu verstehen, was auf einen zukommt.« (dg)

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