Stars der Biokiste Höhere Mate-matik


Die belebende Formel lautet: Mateblätter + heißes Wasser = Begeisterung. Meist geht die Rechnung erst im zweitern Versuch auf. Doch dann hält die Liebe ein leben lang.

Liebe auf den ersten Schluck? Die gibt es bei keinem Drogengetränk. Kaffee schmeckt bitter, Schnaps brennt im Hals, und Wein ist sauer. Beim Matetee ist es nicht anders: Die getrockneten Blätter der immergrünen Stechpalme Ilex paraguariensis riechen wie Heu, und wenn man den grünlichen Sud zum ersten Mal trinkt, schmeckt er so, wie Hasenstreu schmecken könnte, die mit heißem Wasser aufgegossen wurde.

Doch mit jedem Schluck, den man nimmt, wächst die Begeisterung. Das liegt zum einen, natürlich, am Koffein, das im Mate reichlich enthalten ist und nur langsam nach und nach vom Körper aufgenommen wird. Dadurch hält die belebende Wirkung lange an. Aber Matetee enthält auch jede Menge Vitamine, Mineralien, Spurenelemente. Besonders reichlich finden sich in ihm Saponine, pflanzliche Stoffe, die bei Kontakt mit Wasser leicht aufschäumen. Sie wirken harntreibend und schleim-lösend, man sagt, sie putzen den Körper von innen.

Süchtig macht Matetee übrigens nicht. Obwohl man das bei Durchsicht der Statistiken aus Argentinien, dem Hauptabsatzmarkt, glauben könnte: 6,4 Kilogramm Matetee konsumiert jeder Argentinier jährlich im Durchschnitt. Am häufigsten stilecht aus einem aus hohlem Kürbis gefertigten Mategefäß, in das ein Strohhalm aus Metall (Bombilla) gesteckt wird – an dem sich Anfänger meist übel die Lippen verbrennen.

Es waren Guaraní-Indianer, die den spanischen Besatzern das Matetrinken beibrachten - in ihren Stammesgebieten im heutigen Paraguay, Südbrasilien und Nordargentinien, im Urwald des Paranábeckens, wächst Ilex paraguariensis wild im Unterholz. Aimé Bonpland, der Forschungspartner Alexander von Humboldts, interessierte sich für die stimulierende Pflanze. Auf seinen Rat hin begannen Jesuiten, die die Guaraní missionieren wollten, die Bäume in Plantagen zu kultivieren. Weil die harten Früchte nicht von allein keimen, wurden sie an Hühner verfüttert, in deren Mägen die Schalen aufweichten. Der Hühnermist mit der Saat wurde später auf den Feldern ausgebracht.

Heute werden die Matefrüchte mechanisch geknackt. Mehr als 250 000 Tonnen der Blätter werden in Argentinien jedes Jahr geerntet, fast 90 Prozent davon bleiben im Land, der Rest wird exportiert. Für alle, die an die Liebe auf den zweiten Schluck glauben.

Anja Haegele

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