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Meinung

Tut was für euer Geld!: Liebe Promis, wir wollen euch kämpfen und leiden sehen: So wird das Dschungelcamp wieder zum Hit

Zu viel Harmonie und zu viele fade Momente. Das Dschungelcamp muss in diesem Jahr mehr liefern als in den vergangenen Ausgaben. Helfen könnte ein Blick in die Vergangenheit.

RTL-Dschungelcamp

Die diesjährigen Teilnehmer des RTL-Dschungelcamps

MG RTL D

Heute Abend beginnt im australischen Dschungel wieder der Kampf um die beste Pritsche und möglichst viele Sterne. Zwölf Promis - Berühmtheitsgrad flexibel - ziehen ins RTL-Dschungelcamp und hoffen auf eine Rückkehr ins Rampenlicht.

Dschungelcamp: Legendäre Momente

Jahrelang war "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" der absolute Quotengarant des Senders - bis zum vergangenen Jahr, als "Ibes" deutlich weniger Zuschauer erreichte als in den vorigen Ausgaben. Das lag in erster Linie an der Besetzung. Zu viel Harmonie, zu wenig Reibung. Wer unter Extremsituationen - kaum Essen, Lagerkoller - so entspannt und kollegial bleibt, der liefert keine gute TV-Unterhaltung. Wie es richtig geht, haben schon einige ehemalige Dschungelcamper bewiesen. Wir erinnern uns: 

Sarah "Dingens" Knappik

Sarah "Dingens" Knappik sorgte in der fünften Staffel der RTL-Show für legendäre Trash-TV-Momente. Tag für Tag wurde die ehemalige "GNTM"-Kandidatin von den Zuschauern in die Dschungelprüfung gewählt. Dort lieferte sie nicht nur sprachliche Kracher wie "my air was away" oder "what happens when we break?", sondern sammelte rekordverdächtig wenig Sterne. 

Stets kam sie nach ihren Minusleistungen zurück ins Camp und übertrieb mit ihren Erzählungen maßlos. Die "schwerste Dschungelprüfung ever" habe sie machen müssen. Das Resultat: Knappiks Mitcamper wurden immer hungriger. 

Doch die fünfte "Ibes"-Staffel bot noch etwas anderes als hungrige Z-Promis: Am Lagerfeuer warf Knappik ihrem Mitcamper Jay Khan vor, sie vor Drehbeginn ermutigt zu haben, mit ihr eine Liebelei vorzuspielen. So habe er versuchen wollen, Gerüchte, er sei schwul, im Keim zu ersticken. Natürlich stritt Khan die Vorwürfe vehement ab. Knappik blieb jedoch bei ihrer Geschichte, was dazu führte, dass sich das gesamte Camp gegen sie wand. Unvergessen der Moment, als Schauspieler Mathieu Carrière das Model auf Knien anflehte, bitte, bitte, das Camp zu verlassen. Was sich damals im Dschungel abspielte war ein zwischenmenschliches Spektakel, das weit über Kotzfrucht und Schatzsuche hinausging. 

Zum unerwarteten Helden wurde Peer Kusmagk, der sich aus dem Zoff raushielt und früh realisierte, welch fieses Spiel mit der jungen Frau gespielt wurde. Besonders von Carrière war Kusmagk enttäuscht. Für seine reflektierte Art wurde der TV-Darsteller am Ende mit der Dschungelkrone belohnt. Völlig verdient. 

Jay Khan und Indira Weis

Ebenfalls in der fünften und unbenommen besten "Ibes"-Staffel durften die Zuschauer dann auch noch mit ansehen, wie Jay Khan und Indira Weis mit aller Macht versuchten, die anderen von ihrer Flirterei zu überzeugen. So knutschten sie ungehemmt im Camp-Teich. Blöd nur, dass Jay Khan so auffällig nach den Kameras in den umstehenden Bäumen suchte, dass ihm wirklich niemand mehr abnehmen konnte, es mit Weis wirklich ernst zu meinen. 

"Schluck es runter!"

Zweifelsohne - diese Szene bescherte Désirée Nick 2004 die Dschungelkrone: "Schluck es runter!" wies die Kabarettistin ihre Prüfungs-Mitstreiterin Nadja Abd El Farrag an, bevor sie selbst mit aller Kraft einen Känguru-Hoden zerkaute. Wie man sich in die Herzen der Zuschauer kaut und schluckt, hat die Nick vorgemacht. Bis heute gilt: Wer isst hat die größten Chancen auf den Sieg.

Georgina Fleur und Fiona Erdmann zicken sich an

Beide waren sie Teilnehmerinnen bei "Germany's next Topmodel", grün wurden sich Georgina Fleur und Fiona Erdmann aber nie. "Deine Mission ist es immer noch, das Sams mit Haarverlängerung zu eliminieren", stand in Fiona Erdmanns Brief, der im Camp laut am Feuer vorgelesen wurde. Wer das "Sams mit Haarverlängerung" sein sollte? Klar, Georgina. 

Höllena Fürst

Das Dschungelcamp funktioniert am besten, wenn die Promis anecken. Wie Helena Fürst, die dem gesamten Camp so auf die Nerven ging, dass Thorsten Legat sie irgendwann als "Furzfrau" bezeichnete, die "nichts erreicht" hätte. Fürst nannte ihn im Gegenzug "frauenfeindlich". Das Resultat: herrliche Trash-TV-Unterhaltung.

Larissa Marolt und der Hausbursche Engelbert

Hätte es Larissa Marolt nicht dank "GNTM" ins Rampenlicht geschafft, als Geschichtenerzählerin wäre die Österreicherin sicher nicht minder erfolgreich. Wer erinnert sich nicht an ihre Erzählungen über das Hotel ihrer Eltern und den Hausburschen Engelbert? "Wir haben die verruchtesten Angestellten, wie den Engelbert. Der ist die ganze Zeit besoffen, er hat meinen Vater angespuckt und mit dem Besen entgegengeschlagen", erzählte sie ihren völlig erstaunten Mitstreitern. Was damals schnell auffiel: Larissa, die auch als Schauspielerin arbeitet, war eine der wenigen, die schnell erkannt hatte, wie sie sich im Camp präsentieren muss. 

Sie lieferte nicht nur erstklassiges Entertainment, sondern blieb dabei sympathisch und liebenswürdig. Die Zuschauer belohnten das. Marolt wurde immerhin Dschungel-Zweite. 

Zwangsneurotische Hanka Rackwitz

Wie sorgt man von vornherein für Zunder im Camp? Man engagiert eine zwangsneurotische Hanka Rackwitz, die mit ihrem Ordnungs- und Putzfimmel allen, wirklich allen, auf die Nerven geht. Chapeau an die Castingabteilung von RTL.

Was zeigen die Beispiele der Vergangenheit? Wie spannend und unterhaltsam das Dschungelcamp ist, steht und fällt mit den Promis. Welche der diesjährigen Kandidaten überraschen oder begeistern, wird sich noch zeigen.

Fokus auf das Zwischenmenschliche

Es wäre allerdings ratsam, diese zwischenmenschlichen Beziehungen noch mehr in den Fokus zu rücken. Während die Dschungelprüfungen durchaus amüsant und unterhaltsam sind, liefern sie wenig Neues. Vielmehr sollte sich der Sender darauf konzentrieren, für Zwist unter den Promis zu sorgen. Klar, leere Mägen und Misserfolg sind da ein guter Anfang, doch was das Camp wirklich faszinierend macht, sind nicht Kotzfrucht und Känguru-Hoden, sondern die menschlichen Abgründe, die innerhalb der Bewohner offenbart werden. 

Das bessere Dschungelcamp war im vergangenen Jahr das "Sommerhaus der Stars". Auch wegen der Intrigen und fiesen Spiele, die sich RTL ausgedacht hatte, um die Stars gegeneinander auszuspielen. Wenn die Dschungel-Camper ab heute nicht von alleine merken, dass sie performen müssen, könnte die Redaktion mit dem besten Trash-TV-Spiel aller Zeiten (hier nachzulesen) nachhelfen. 

Doch bis dahin gilt: Promis, tut was für eure Gage! Das Dschungelcamp braucht unerwartete Helden, nervtötende Außenseiter und Lästerstunden am Lagerfeuer. Wir wollen euch kämpfen, motzen und vor allem leiden sehen!

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