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Studie aus Israel: In der Bibel gibt es zu viele Kamele

Engel, Wunder, Gotteserscheinungen - dass die Bibel kein Geschichtsbuch ist, ist den meisten klar. Forscher haben nun eine weitere Ungereimtheit gefunden: zu viele Kamele im Alten Testament.

Von Timo Brücken

Abraham mit Kamel? Eher nicht, denn zu Zeiten des jüdischen Vorvaters gab es im heutigen Israel noch gar keine zahmen Höckertiere.

Abraham mit Kamel? Eher nicht, denn zu Zeiten des jüdischen Vorvaters gab es im heutigen Israel noch gar keine zahmen Höckertiere.

Brennende Dornenbüsche können sprechen, Meere teilen sich wie von Geisterhand und Trompeten bringen Mauern zum Einsturz. In der Bibel gibt es so einige Details, die historisch nicht ganz korrekt sein können. Man müsse sie als Symbole verstehen, nicht als Tatsachen, sagen Theologen. Israelische Forscher haben nun jedoch eine Ungereimtheit gefunden, die sich nicht unter der Kategorie Zeichen und Wunder verbuchen lässt: Im Alten Testament gibt es schlicht und einfach zu viele Kamele. Mehr als 20 Mal werden die Tiere zum Beispiel in den Geschichten über die jüdischen Vorväter erwähnt - aber das kann so nicht stimmen.

Abraham zum Beispiel soll im zweiten Jahrtausend vor Christus gelebt und vom Pharao Kamele geschenkt bekommen haben, weil der seine Frau so schön fand. Doch damals lebten auf dem Gebiet des heutigen Israel noch gar keine domestizierten Höckertiere. Die gab es dort erst Jahrhunderte später. Das behaupten zumindest die Archäologen Erez Ben-Yosef und Lidar Sapir-Hen von der Universität Tel Aviv. Die beiden haben Kamelknochen untersucht, die nahe einer antiken Kupferhütte ausgegraben worden waren und bei denen es sich sehr wahrscheinlich um die ältesten Knochen dieser Art in der Region handelt.

Vorher gab es nur Esel und Maultiere

Ben-Yosef und Sapir-Hen datierten die Gebeine auf das Ende des zehnten Jahrhunderts vor Christus, also mindestens ein halbes Jahrtausend nach Abrahams Zeiten. Dass es sich dabei tatsächlich um vom Menschen gezähmte Kamele handelte, erkannten die Forscher laut "New York Times" an Spuren in den Beinknochen. Diese würden darauf hindeuten, dass die Tiere schwere Lasten getragen hätten. Wahrscheinlich seien die domestizierten Kamele von den Ägyptern eingeführt worden, die in der Region nach Kupfer schürften. Vorher hätten die Menschen dort ihre Waren von Eseln und Maultieren tragen lassen.

Die archäologischen Erkenntnisse seien jedoch kein Grund, das Alte Testament für historisch vollkommen unbrauchbar zu halten, sagte der Tel Aviver Bibelwissenschaftler Noam Mizrahi der "New York Times". Die Heilige Schrift sei eben erst sehr lange nach den Ereignissen geschrieben worden, von denen sie erzählt. Zu einer Zeit, als es im heutigen Israel längst Kamele gab. Und diese seien von den Autoren eben einfach in die Vergangenheit projiziert worden.

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