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Anschlag: Zwei Soldaten in Nordirland erschossen

Erstmals seit zwölf Jahren sind wieder Soldaten bei einem Terrorangriff in Nordirland ums Leben gekommen. Zwei Armeeangehörige wurden vor einer Kaserne nördlich von Belfast erschossen, vier weitere Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Bei einem Terrorangriff auf eine britische Kaserne in Nordirland sind zwei Soldaten erschossen und mehrere Menschen schwer verletzt worden. Wie die Polizei der britischen Region mitteilte, wurden die Schüsse am Samstagabend vor der Kaserne in der Grafschaft Antrim nördlich von Belfast abgefeuert. Die bisher unbekannten Täter schossen - nach Medienberichten als Pizza- Lieferanten getarnt - aus einem Auto. Bei den vier Schwerverletzten handelt es sich nach ersten Angaben um zwei Militärangehörige und zwei Zivilisten.

Für den Anschlag wurden zunächst extremistische Republikaner, die den Friedensprozess in Nordirland bekämpfen, verantwortlich gemacht. Niemand bekannte sich zu dem Anschlag. Die Gegend um die Kaserne wurde abgeriegelt und Sicherheitskräfte begannen eine groß angelegte Suche nach den Attentätern. Noch in der Nacht verurteilten Politiker den Angriff.

Die "Times" schrieb in ihrer Onlineausgabe, es seien die ersten Soldaten gewesen, die seit zwölf Jahren in Nordirland ums Leben gekommen seien. Der Polizeichef für Nordirland, Sir Hugh Orde, hatte kürzlich gewarnt, dass die Möglichkeit eines schweren Terroranschlags so groß sei, wie seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr.

Immer wieder versuchten sogenannte republikanische Dissidenten, Polizisten zu töten. Vor wenigen Wochen entschärften Sicherheitskräfte eine fast 140 Kilogramm schwere Bombe, die vielleicht für einen Angriff auf eine Kaserne bestimmt war.

In der damaligen Krisenregion im Norden der davon unabhängigen Republik Irland kam es jahrzehntelang zu blutigen Kämpfen zwischen pro-britischen Protestanten und pro-irischen Katholiken. 1998 leitete das Karfreitagsabkommen einen Friedensprozess ein.

Augenzeugen berichteten, lange Feuerstöße vermutlich aus einer Maschinenpistole gehört zu haben, bevor die Sirenen in der Massereene Kaserne angingen. Polizei und mehrere Krankenwagen eilten zum Unglücksort.

"Es ist vor unsere Haustür zurückgekehrt"

Ian Paisley Junior, Mitglied der protestantischen Democratic Unionist Party und der Polizeibehörde, sagte, der Angriff könne ein entscheidender Moment in der Geschichte Nordirlands sein. "In den letzten zehn Jahren haben die Leute geglaubt, dass solche Dinge im Ausland passieren, zum Beispiel in Basra (im Irak). Leider ist das vor unsere Haustür zurückgekehrt." Im Nordirlandkonflikt kamen seit den 60er Jahren mehr als 3000 Menschen ums Leben. Vor allem Terrorgruppen wie die IRA waren dafür verantwortlich.

Der britische Nordirlandminister Shaun Woodward verurteilte das Attentat als einen "Akt krimineller Barbarei". Den Tätern werde es aber nie gelingen, den politischen Prozess in Nordirland zu stoppen. In einer Erklärung der Downing Street wurde der Anschlag ebenfalls scharf verurteilt.

Der nordirische Ministerpräsident Peter Robinson verschob eine Reise in die USA. Es handle sich "um eine schreckliche Mahnung an die Vergangenheit", sagte er.

DPA / DPA
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