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Posse aus Dänemark: Dänen bauen Maut-Brücke neben kostenlose Brücke. Raten Sie mal, welche von beiden beliebter ist

Eigentlich sollte die neue Kronprinzessin-Mary-Brücke in Dänemark ein Verkehrsnadelöhr über dem Roskilde-Fjord entlasten. Doch die Bewohner benutzen lieber weiter die alte Brücke – denn für die neue müssten sie Maut bezahlen.

Die Kronprinzessin-Mary-Brücke

Die Kronprinzessin-Mary-Brücke

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Am 28. September wurde sie eingeweiht, die Kronprinzesin-Mary-Brücke, benannt nach der Frau von Kronprinz Frederik. Presse und viele Zuschauer waren dabei, als Mary bei "ihrer" Brücke das rote Band durchschnitt und direkt danach eine Begehung machte.

Gekostet hat die vierspurige Brücke über den Roskilde-Fjord 1,7 Milliarden Dänische Kronen, mehr als 227 Millionen Euro. Das Bauwerk sollte eine Alternative sein zur Kronprinz-Frederik-Brücke, die über den Fjord führt und die Halbinseln Hornsherred und Nordsjælland miteinander verbindet. Die mehr als 80 Jahre alte Verbindung war lange Zeit ein Nadelöhr in der Region. Daher beschloss man, eine neue Brücke zu errichten.

Die meisten Autofahrer nehmen die neue Brücke nicht

Eigentlich, so die Zielsetzung der Straßenverkehrsverwaltung, sollten pro Tag 11.900 Autos über die Brücke fahren. Eigentlich. Einem Bericht des dänischen Fernsehsenders TV2 zufolge aber nutzten eine Woche nach Eröffnung nur 3700 Autos die neue Verbindung. Drei Wochen später waren es noch einmal weniger: 2662. Im Schnitt sind es aktuell rund 3000 Fahrzeuge.

Die sinkenden Zahlen könnten mit einem Haken zusammenhängen, die die Brücke hat: Man muss eine Maut für ihre Nutzung bezahlen. 14 Kronen (knapp zwei Euro) für Autos und 41 für Lkw (rund 5,50 Euro). Das schmeckt den Dänen anscheinend nicht. "Das haben wir die ganze Zeit gesagt. Die Leute werden nicht zahlen und man wird nie auf die Zahl der Autos kommen, die man erwartet hat", sagt Kenneth Jensen, Stadtratsmitglied in der Gemeinde Frederikssund und Initiator der Bürgergruppe "Brückenmaut Nein danke!", zu TV2. Die Initiative hatte 14.000 Beschwerden gesammelt. Jensen hofft auf eine Abschaffung der Abgabe.

Dass es die Brücke gibt, freut das Stadtratsmitglied, ebenso wie John Schmidt Andersen, den Bürgermeister. Aber: "Ich ärgere mich, dass es sich um eine Zahlungslösung handelt, bedaure aber nicht die Entscheidung, die Brücke gebaut zu haben", sagt er.

Minister und Behörde denken gar nicht an Flop und Fiasko

Hinzu kommt, dass sich die Bürger von Frederikssund auf eine höhere Rechnung für die Müllentsorgung einstellen können. Denn die Müllfahrzeuge der lokalen Abfallwirtschaft müssen über die neue Brücke rüber. Die Mehrausgaben könnten damit auf die Verbraucher abgewälzt werden.

Brücke beugt sich gefährlich unter Gewicht von Reisebus

Ist die neue Brücke mit der royalen Namenspatronin also ein Flop? Ein Fiasko? Nein, meint der sozialdemokratische Verkehrsminister Benny Engelbrecht: "Es dauert in der Regel zwei bis vier Jahre, bis man den Verkehr hat, die permanent bleibt. Daher ist es noch zu früh, um Schlussfolgerungen zu ziehen", so Engelbrecht zu TV 2. Die neue Verbindung ist nicht die einzige Bezahl-Brücke. So bezahlt man beispielsweise eine Gebühr bei der Großen-Belt-Brücke, die Ost- und Westdänemark miteinander verbindet.

Auch wenn die Autofahrer anscheinend sehr zögerlich sind, was das Befahren dess neuen Bauwerks angeht, so hält die Straßenverkehrsverwaltung an ihrer Prognose fest, dass man in einigen Jahren die Zahl von 12.000 Autos knacken wird. Bis dahin erlebt die alte, aber kostenlose Kronprinz-Frederik-Brücke eine unerwartete Rennaissance: Hier gehen die Verkehrszahlen wieder nach oben.

Quellen: TV2 Lorry, TV2 

rw
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