USA und Dänemark Militärbasen und Hoheitsrechte: So könnte ein Grönland-Deal aussehen

Grönland: Dänische Kriegsschiffe patroullieren in den Gewässern vor der Hauptstadt Nuuk
Sicher ist sicher: Dänische Kriegsschiffe patrouillieren in den Gewässern vor der Hauptstadt Grönlands, Nuuk
© Ben Birchall / DPA
Groß war die Erleichterung, als Donald Trump in Davos plötzlich eine Einigung mit der Nato im Konflikt um Grönland verkündete. Aber wie könnte sie aussehen?

Es war die größte Überraschung während des Davos-Gipfels. Am Mittwochabend verkündete US-Präsident Donald Trump eine Einigung mit der Nato im Konflikt um Grönland. Die Erleichterung war groß, hatte der US-Präsident doch im Vorfeld mit Strafzöllen gegen Dänemark und weitere europäische Partner gedroht. Sogar mit dem Einsatz militärischer Mittel kokettierte Trump zwischendurch – eine beispiellose Eskalation der schwierigen transatlantischen Beziehungen.

Über den Deal sind bislang lediglich Eckpunkte bekannt, offiziell wurde nichts bestätigt. Trump ist dafür bekannt, Ergebnisse zu verkünden, bevor Ergebnisse vorliegen. Die Verhandlungen über die konkrete Ausgestaltung des Deals laufen noch. Unklar ist zudem, wie die bilateralen Gespräche zwischen den USA und Dänemark vorangehen und in welcher Form sie Teil des Nato-Deals sind. Trump kündigt an, dass der Kompromiss von Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio, dem Sondergesandten Steve Witkoff und mehreren anderen Personen ausgehandelt werden soll.

Grundsätzlich geht es in der Grönland-Frage um zwei Punkte: Sicherheit und Ausbeutung der Rohstoffe.

Mehr Nato und ein Golden Dome für Grönland

Eines ist sicher: Die europäischen Partner werden ihr militärisches Engagement auf der Arktis-Insel im Rahmen der Nato verstärken. Nato-Generalsekretär Mark Rutte habe mit Trump eine neue Überwachungsmission des Bündnisses vereinbart. Das betrifft hauptsächlich die sieben arktischen Alliierten. Sie sollen sicherstellen, dass "Russland und China in Grönland niemals Fuß fassen, weder wirtschaftlich noch militärisch", hieß es in einer Erklärung der Nato.

Ein Teil des Deals betrifft US-Truppen auf der Insel. Dazu soll der Stationierungsvertrag von 1951 zwischen den USA und Dänemark ergänzt werden und den Aufbau des von Trump geplanten Raketenabwehrschirms "Golden Dome" regeln. Der alte Vertrag soll entsprechend umgeschrieben werden. Er sieht jetzt schon vor, dass die US-Armee Grönland militärisch nutzten darf, wenn sie dessen Verteidigung übernimmt. Die USA hatten in der Vergangenheit etliche Militärbasen auf der Insel, die aber mittlerweile fast alle wieder geschlossen wurden. Derzeit gibt es nur die US-Weltraumbasis Pituffik. Der Vertrag erlaubt es den USA jedoch jederzeit, ihre Militärpräsenz praktisch nach Belieben wieder aufzustocken.

Die heikle Frage der Hoheitsrechte

Um den Anspruch Trumps auf Grönland zufriedenzustellen, könnte Dänemark Hoheitsrechte um solche Militärbasen herum an die USA abtreten. Vorbild dafür sind die britischen Militärstützpunkte auf Zypern, die rund drei Prozent des zypriotischen Territoriums ausmachen. Sie werden vom Verteidigungsministerium in London verwaltet und haben eine eigene Polizei und Justiz. Die beiden "Sovereign Base Areas" gelten als britisches Überseegebiet und gehören bis heute völkerrechtlich zu Großbritannien.

Ob sich Dänemark auf ähnlich weitreichende Hoheitsrechte für die USA einlässt, muss sich zeigen. Es dürfte der schwierigste Verhandlungspunkt sein. Der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen betonte, er sei nicht dafür, den USA die Souveränität über die dortigen Militärbasen zu übertragen: "Wir sind bereit, über viele Dinge zu diskutieren", sagte er und fügte hinzu: "Souveränität ist eine rote Linie."

Damit eng verknüpft ist die Frage nach dem Abbau der Bodenschätze (Seltene Erden, Mineralstoffe). Wer hat hier das Sagen? In diesem Punkt könnte ein Vetorecht der USA helfen. Es wäre nicht so weitgehend wie die Übertragung souveräner Hoheitsrechte. So könnten die Amerikaner chinesische Investitionen verhindern, was Trump ein großes Anliegen ist.

Quellen: "Tagesschau", "Handelsblatt", "ABC News"

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