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Geringere Beteiligung als erwartet: Zehntausende Franzosen streiken für Rente mit 60

800.000 Menschen wollte die französische Gewerkschaft CGT zum "Widerstand" gegen die Pläne der Regierung bewegen, das Renteneintrittsalter von derzeit 60 Jahren heraufzusetzen. Am Ende folgten dann doch "nur" zehntausende Beschäftigte dem Streikaufruf - und sorgten dennoch für Chaos.

In Frankreich haben zehntausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst und der Privatwirtschaft mit Streiks gegen die Rentenreform protestiert. Die Gewerkschaft CGT rief die Franzosen am Donnerstag zum "Widerstand" gegen Pläne der Regierung auf, das Rentenalter von derzeit 60 Jahren heraufzusetzen. Sie wollte landesweit mehr als 800.000 Menschen auf die Straße zu bringen.

Die Beteiligung an den Streiks in Schulen und im öffentlichen Nah- und Fernverkehr fiel jedoch zunächst geringer aus als beim letzten großen Protesttag im März, als die Gewerkschaften schon einmal gegen die Rentenreform sowie die Sozialpolitik der Regierung mobil gemacht hatten.

Die Regierung hatte diese Woche bestätigt, dass sie das Renteneintrittsalter von derzeit noch 60 Jahren schrittweise heraufsetzen will. Laut Umfragen lehnt dies mehr als die Hälfte der Franzosen ab. Ein großer Teil hat sich nach Befragungen aber bereits damit abgefunden, dass eine Reform unumgänglich ist. Denn ohne eine breitere Finanzierung werden der französischen Rentenkasse im Jahr 2050 jährlich rund 100 Milliarden Euro fehlen.

Haushaltsminister François Baroin verteidigte die Pläne am Donnerstag als "gerecht" und "ausgewogen". Frankreich könne die steigenden Defizite im Rentensystem nicht weiter finanzieren, sagte er im Sender i-Télé. Die Franzosen gingen im Schnitt mit 58,8 Jahren in die Rente, während die Bürger in den meisten anderen EU-Staaten erst mit 65 in den Ruhestand könnten.

An Frankreichs Schulen legten laut Bildungsministerium bis zum Mittag zwischen 12 und 16 Prozent der Lehrer die Arbeit nieder, bei der Post nahmen 13 Prozent der Beschäftigten an dem Streik teil. Im öffentlichen Rundfunk fielen die Nachrichten aus. Aufrufe zu Arbeitsniederlegungen gab es auch bei Banken, Versicherungen, im Handel und in der Industrie.

An den beiden Pariser Flughäfen mussten zehn beziehungsweise 30 Prozent der Flüge gestrichen werden. Bei der Staatsbahn SNCF fielen ein Viertel der Regionalbahnen und ein Fünftel der Pendlerzüge im Großraum Paris aus. Der Verkehr mit den TGV-Hochgeschwindigkeitszügen verlief praktisch normal. Mitarbeiter der SNCF und der Pariser Verkehrsbetriebe sind von der Reform nicht betroffen, da sie gesonderte Rentensysteme haben.

AFP / AFP
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